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1640, 17.Jh, Ancien Regime, Frankreich, Heinrich IV., Militär

Maximilien de Béthune Herzog von Sully, französischer Staatsmann.

Geb. 13. Dez. 1560, gest. 22. Dez. 1641.

Maximilien de Béthune Herzog von Sully, französischer Staatsmann. Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Kultur,- und Modegeschichte.
Maximilien de Béthune Herzog von Sully, französischer Staatsmann. Geb. 13. Dez. 1560, gest. 22. Dez. 1641.

Maximilien de Béthune, Baron von Rosny, aus einem alten Adelsgeschlecht am 13· Dezember 1560 in Rosny geboren, wurde von seinem Vater Franz im reformierten Glauben erzogen, dem er sein ganzes Leben lang treu anhing. Im Alter von elf Jahren kam er an den Hof der Königin von Navarra, die ihn 1572 mit ihrem Sohn, dem späteren König Heinrich IV. von Frankreich zur Ausbildung nach Paris schickte, wo er glücklich dem Blutbad der Bartholomäusnacht entging.

Er beschloß hierauf sich ganz dem Dienst Heinrichs zu widmen. Als dieser 1576 den französischen Hof verließ, um sich an die Spitze der Hugenotten zu stellen, folgte ihm auch Rosny und bewies sich so brauchbar, daß ihn der junge König 1580 zum Rat von Navarra sowie zu seinem Kämmerer ernannte. Nachdem er sich dann an der von dem Herzog von Anjou nach den Niederlanden unternommenen Expedition beteiligt hatte, schickte ihn Heinrich 1583 nach Paris, um die dortigen Ereignisse zu beobachten. In Paris vermählte sich Rosny 1584 mit einer reichen Erbin, Anne de Courtenay, und machte glückliche Geschäftsspekulationen, doch unterstützte er jederzeit gerne mit seinen Mitteln den König. Im Krieg mit der katholischen Union leistete er seinem Herrn außerordentliche Dienste: bei Coutras trug er als Befehlshaber der Artillerie viel zum Sieg bei und kämpfte unerschrocken an Heinrichs Seite bei Arques; in der entscheidenden Schlacht bei Ivry 1590 sowie bei der Belagerung von Chartres 1591 wurde er schwer verwundet. Obgleich strenger Calvinist, riet er dem Könige in dessen Interesse zur katholischen Kirche zurückzukehren und gab sich alle Mühe, die Anhänger der Ligue für denselben zu gewinnen.

Seitdem begann der König Rosny zu den wichtigsten Geschäften heranzuziehen. Nachdem er ihn schon 1594 zum Staatsrat ernannt hatte, übertrug er ihm 1597, da er wohl erkannte, daß derselbe damals allein befähigt war, die durch die Bürgerkrieg gänzlich zerrütteten Finanzen Frankreichs wieder in Ordnung zu bringen, die Leitung dieses Departements und verlieh ihm zwei Jahre darauf den Titel »Surintendant«. Mit rastloser Ausdauer unterzog sich Rosny der schwierigen Aufgabe. Er hob überflüssige Ämter auf, kassierte Privilegien des Adels, vereinfachte das Steuerwesen, forderte strenge Rechenschaft von den Behörden, baute Straßen, führte neue Erwerbszweige ein und begünstigte namentlich den Ackerbau, da er ihn für die einzige solide Quelle des Nationalreichtums hielt. Bis 1610 gelang es ihm, nicht nur die beträchtliche Staatsschuld, welche er vorgefunden, zu tilgen, sondern auch noch 42 Millionen Livres Überschüsse in der Bastille anzuhäufen.

Wie auf die Finanzen, so übte er auch auf die übrigen Zweige der Staatsverwaltung einen bedeutenden Einfluß aus und war daher in Wirklichkeit, wenn auch nicht dem Namen nach, Premierminister. Seit 1599 Großmeister der Artillerie, bewährte er auf einem 1600 nach Savoyen unternommenen Kriegszug noch einmal sein militärisches Talent, indem er 1601 die für unüberwindlich angesehenen Festungen Charbornière und Montmélian eroberte. Nach dem Frieden übernahm er unter dem Titel eines erblichen Kapitäns der Häfen, Flüsse und Kanäle auch das Departement der öffentlichen Bauten, verbesserte die Kommunikationsmittel des Landes, legte Kanäle an und sorgte für den Bau von zweckmäßigen Häfen und Grenzfestungen.

Auf dem Gebiete der äußeren Politik trug er sich mit dem Plan, gegen das Haus Habsburg einen europäischen Krieg vorzubereiten, und unterhandelte zu diesem Zweck 1601 mit Elisabeth und nach deren Tode 1603 mit Jakob I. von England. Gegen die Höflinge war er sehr streng und auch dem König trat er immer offen und freimütig gegenüber, ja er wagte es, den Vertrag, durch welchen dieser der Marquise von Verneuil die Ehe versprochen hatte, vor dessen Augen zu zerreißen, ohne daß ihm Heinrich ernstlich zu zürnen vermochte. Derselbe erhob ihn vielmehr 1603 zum Gouverneur von Poitou und im Februar 1606 sogar zum Herzog von Sully und Pair von Frankreich, nachdem er ihm schon 1601 den Titel Marquis verliehen halte.

Allein mit der Ermordung Heinrichs 1610 war Sullys politische Rolle beendet. Zwar wurde er Mitglied des Regentschaftsrates, trat jedoch, um seine Sicherheit besorgt, seine Ämter und Pfründen dem Hof gegen Entschädigung ab. Seitdem lebte er auf seinen Schlössern zu Villebou, Rosny und Sully, mit Landbau und der Abfassung von Mémoires beschäftigt. Gelegentlich wurde er von Ludwig XIII. um seinen Rat befragt und 1634 sogar zum Marschall von Frankreich ernannt. Hoch betagt starb der Herzog am 22. Dezember 1641 zu Villebon, nachdem seine letzten Lebensjahre noch durch Familienprozesse getrübt worden waren.

Sully verdient mit Recht einen Platz unter den großen Männern Frankreichs. Während er sich als Feldherr durch die Kunst des Festungsangriffes auszeichnete, suchte er als Minister zuerst Ordnung und Regelmäßigkeit in der Finanzverwaltung einzuführen. Seine geregelte und einfache Lebensweise erlaubte ihm, eine große Tätigkeit und Arbeitsamkelt zu entfalten. Seinem König war er wie wenige treu ergeben, und dieser bewahrte ihm auch ungeachtet des Eigenwillens und der Offenheit Sullys bis zum letzten Atemzuge eine innige Freundschaft.

Stich von G. Edelinck.

Quelle: Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Allgemeines historisches Portraitwerk. München 1895. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biografischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier.

Schlagworte: Dreißigjähriger Krieg, Historisches Porträtwerk, Münchener Bilderbogen, Soldat des Barock
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