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Wetter und Pest im Jahre 1600. Notjahre vor dem Großen Krieg.

Jacques Callot, Bettlerin, 17. Jahrhundert, Barock, Kupferstecher, Radierung
Bettlerin um 1620 von Jacques Callot

Notjahre vor dem Großen Krieg.

Während der Winter im Norden Europa’s weniger heftig auftrat, war derselbe in den mittleren und südlichen Teilen grimmig kalt; ja er zog ein anhaltend kaltes Frühjahr nach sich; am 26. April fiel in Bayern, Thüringen, Meissen tiefer Schnee, wodurch Getreide, Obst und Wein litten; Hagelschlag und Überschwemmungen brachten vielfach Schaden. Am 24. Oktober erfroren in Franken die noch nicht reifen Trauben.

Der nasskalten Witterung folgte Verderbniss der Halmfrüchte mit reicher Entwicklung des Mutterkorns, so dass in manchen Gegenden, namentlich in Oberhessen, die Kriebelkrankheit (Ergotismus, Spasmus malignus oder pestilentialis) zum Ausbruch kam 1). Überdies herrschte in der Wetterau die „Pestilenz“.

Neben der Bubonenpest (Beulenpest) setzte der Petechialtyphus (Fleckfieber) mit erhöhter Kraft seine Tätigkeit fort; gleichzeitig fanden Blattern (Pocken) und Masern Verbreitung.
Im August brach in der Augsburger Gegend wieder eine Seuche aus, weshalb der Augsburger Rat besonders den Verkauf alter Kleider verbot. In Nürnberg gesellte sich zur Teuerung ein grosses Sterben, 2520 Personen erlagen, darunter 779 an der Seuche. Diese trat auch in Schwabach mit Heftigkeit auf 2). – In Schlüsselfeld (Oberfranken) regierten die Blattern. (Matr.)

Die Provinz Brandenburg wurde abermals von einer Seuche heimgesucht. So wütete in Krossen, Zielenzig, Beutnitz, Ziüillichau u. a. O. eine ansteckende pestartige Krankheit; in letzterer Stadt starben allein 437 Personen 3). Im Januar wurde die Pest nach „Batthaune“ (Prov. Sachsen) verschleppt; ein Vater und zwei Söhne starben an der Pest 4).

Jacques Callot, Bettler, 17. Jahrhundert, Barock, Kupferstecher, Radierung
Bettler um 1620 von Jacques Callot

Auch in Polen, Posen, Schlesien und Böhmen, wo die Pest in den verwichenen Jahren grosse Verwüstung angerichtet hatte, schwang sie wieder ihre Geisel. In der Stadt Posen verursachte die Pest von Neuem grosse Sterblichkeit. (Lukaszewicz.)
In Meseritz an der Obra stellte sich im Herbst die Pest ein und nahm 100 Personen weg. Im folgenden Jahre erhob sie sich wieder, um erst gegen Martini sich zu legen. Es sollen in diesem Jahre bis 1100 Menschen gestorben sein. In Peterswaldau (Schlesien) raffte eine Epidemie viele Menschen dahin.

In der Stadt Oppeln a. d. Oder herrschte die Pest; die Leichen wurden bei der kleinen Kirche zum hl. Kreuz vor dem Odertor begraben. Im September tauchte in Schweidnitz die Infektion, „febris pestilenz“, auf; der Seuche erlagen bis zu deren Nachlassen am Ende des Jahres 149 Personen. Ebenso zählte Striegau viele Opfer 5).

Pommern litt von 1600 bis 1602 durch die Pest; in Stargard (ö. v. Stettin) nahm sie eine grosse Anzahl Menschen hinweg. Ebenso fielen zu Thorn an der Weichsel bis zum folgenden Jahre viele Pestopfer.

Von Österreich wanderte die Pest in südwestlicher Richtung über das Gebirge nach Steiermark, wo namentlich der mittlere Landstrich arg mitgenommen wurde. Im Markt Mureck wurden von Ende September bis Jahresschluss 90 Personen, meist Männer, hingerafft. Der Franziskaner Orden verlor durch dieselbe 15 Mitglieder im Kloster Lankowitz 6).

Quellen: 1) G. Horst, Op. II. 422 (Norimb. 1660). 2) Petzold 209. 3) Wettekind, Züllichau. 4) Simon, Eilenburg. 5) SS. rer. Siles. D. Scepsii Ann. XI. 105. 6) Herzog, Kosmogr. II. 76.

Quelle: Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnot zur Zeit des dreißigjährigen Krieges von Gottfried Lammert. Erschienen bei J. F. Bergmann Verlag, Wiesbaden 1890.

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