Auguste Racinet, Volkstrachten, Deutschland, Österreich, Tschechien, Tirol
Volkstrachten Deutschland, Österreich, Tschechien.

DEUTSCHLAND. TIROL. VOLKSTRACHTEN.

ÖSTERREICH.
Nr. 1, 6, 8, 11, 15, 16 und 19.
Tiroler.
Nr. 2 und 9.
Böhmen. DEUTSCHLAND.
Nr. 3 und 4.
Württembergerinnen.
Nr. 7.
Schlesier.
Nr. 10 und 12.
Sächsinnen.
Nr. 13.
Hamburgerin.
Nr. 14 und 17.
Altenburgerinnen.
Nr. 18.
Coburgerin.
Nr. 5.
Typus eines Heidelberger Studenten; Anfang des Jahrhunderts.

ÖSTERREICH.
Tirol. – Die Bevölkerung des östlichen Teiles von Tirol besteht überwiegend aus Deutschen, während sie im Süden mit Italienern und Ladinern untermischt ist.

Nr. 1.
Zillertaler.
Schwarzer Filzhut mit Schnur, Troddeln und Auerhahnfeder. Brustfleck aus rotem Tuch, am Halsausschnitt mit Silberperlen. Schwarzseidenes Halstuch. Wollene Joppe mit Samtaufschlägen. Schwarzer Ledergürtel mit Monogramm in Seidenstickerei, an der Seite durch eine Schnalle geschlossen. Schwarzlederne Kniehose. Weisse Strümpfe. Nägelbeschlagene Schnürstiefel.

Nr. 6.
Pustertalerin.
Filzhut mit breiter Krempe. Schnürmieder mit Achselbändern.
Kurzer Wollrock. Ausgeschnittene Schuhe.

Nr. 8.
Sarntalerin.
Filzhut mit breiter Krempe und hinten herabfallenden Seidenbändern. Hemd aus weissem Pique, mit Spitzen besetzt. Wollenes Mieder mit silbernen Agraffen und schwarzen Seidenschnüren. Brusttuch aus Kattun.

Nr. 11.
Bauer vom Achensee; Inntal.
Filzhut mit Schnur und Troddeln; Auerhahnfeder. Gemsbart und Alpenblumen. Über der modernen Weste mit silberner Kette wird nur selten der breite Ledergurt getragen. Rotseidenes Halstuch. Joppe, Tuchweste. Schwarzlederne Kniehose mit Besatz. Lederstiefel.

Nr. 15.
Bauer aus dem Ötztal.
Filzhut. Braune Tuchjoppe mit farbiger Stickerei. Ledergürtel mit polierten Zinnnägeln. Kniehose aus Gemsleder. Wollstrümpfe. Schnürstiefel.

Nr. 16.
Bäuerin aus dem Passeyertal.
Gestrickte Wollmütze. Über dem Mieder eine Jacke aus violettem Tuch mit rotem Seidenbesatz, durch farbige Schnüre und eine Reihe silberner Knöpfe geschlossen. Überärmel aus Samt mit Pelzbesatz. Langer gefältelter Wollrock. Weite blau und weissgestreifte Leinenschürze. Rote Wollstrümpfe. Lederschuhe.

Nr. 19.
Junger Bauer aus dem Samtal. Festtracht.
Rote Jacke und Brustfleck mit grünen Damastachselbändern. Hemd mit Spitzenbesatz, der am Hals und über der Brust ein Jabot bildet. Die verheirateten Männer tragen einen schwarzen, die Junggesellen einen grünen niedrigen Filzhut mit breiter Krempe. Ledergürtel. Dicke weite Wollhose, die das Knie frei lässt. Weisse Strümpfe mit roten Strumpfbändern. Lederschuhe.

Böhmen. – Deutsche und Tschechen haben aufgehört, ein Nationalkostüm zu tragen.

Nr. 2.
Junge Deutsche aus Auherzen. Bezirk Pilsen. Sommertrracht. Die Haare fallen, hinten aufgenommen, in Zöpfen mit weissen Schleifen herab. Stirntüchel und Nadel, ein Diadem aus Kupfer. Starke Tournüre unter dem Wollrock. Hoch gerückter Gürtel. Ausgeschnittenes Mieder aus Wollstoff oder Goldbrokat. Geblümtes Halstuch. Schürze mit farbigen Bändern. Rote Wollstrümpfe. Lederschuhe mit grünen Schleifen. Beim Ausgehen wurde der Kurass, eine weisse Piquéjacke und ein weissleinenes Kopftuch angelegt. Für den Winter kommt eine Mütze und eine Pelzjacke hinzu.

Nr. 9.
Junger Deutscher aus der Umgebung von Klatovy (Klattau), Region Plzeňský kraj. Niedriger Filzhut mit Blumen und Schnur. Blaue Tuchjacke mit gelben Metallknöpfen.

DEUTSCHLAND.

Schlesien. – Nur die Frauen haben in ihrem Kostüm manche Eigentümlichkeiten bewahrt.
Nr. 7. Bauer aus dem Riesengebirge. An Festtagen trägt der Bewohner des Riesengebirges einen hohen, sich oben ausbauchenden Filzhut und einen langen, bis zu den Füssen reichenden Tuchrock, den „Gottestischrock.“

Württemberg. Schwarzwaldkreis. – Die Bewohner des Schwarzwaldes verlassen, meist als Krämer, ihre Heimat, um später mit ihren Ersparnissen zurückzukehren. In der Umgegend von Reutlingen, im Dorf Ehningen haben sie alljährlich um Weihnachten eine Zusammenkunft, den Ehninger Congress.
Nr. 3 und 4. Frauen aus dem Schwarzwald.
Haube aus schwarzer Seide mit gesticktem Samtboden, über dem sich ein acht Zoll breiter Kamm auf einem Drahtgestell erhebt; hinten fallen vier breite schwarze Bänder herab, zwischen denen die Zöpfe mit roten Schleifen sichtbar werden. Samtjaquett mit Puffärmeln. Am Halsausschnitt ein Spitzenkragen. Darüber ein Halstuch mit herabhängenden Enden. Wollrock und Lederschuhe.

Sachsen. – Die Spreeufer sind noch heute in einzelnen Teilen von Abkömmlingen der Wenden besetzt.
Nr. 10. – Frau aus Dannstedt, Regierungsbezirk Magdeburg, Provinz Sachsen. – Kopfputz aus langen breiten Bändern, die das Gesicht umschliessen und über die Brust fallen; hinten sind zwei andere Bänder übergeschlagen und vier hängen bis auf die Hacken herab. Besonders die letzteren sind reich bestickt und mit Franzen besetzt. Massive Kette mit Kreuz. Seidenes Mieder mit langen engen Ärmeln. Gestickter Rock aus demselben Stoff. Wollenes geblümtes Brusttuch. Gestickte Schürze. Graublaue Strümpfe. Lederschuhe mit über dem Spann gekreuzten Bändern.

Nr. 12. Junges wendisches Mädchen aus der Lausitz. – Häubchen mit Musselinfraise.
Linonmieder mit grellfarbigem Brusttuch, dessen Enden über der Schürze zum Vorschein kommen. Gestickte Schürze. Gefältelter Rock.

Sachsen-Altenburg. Auch hier ist ein Teil der Bevölkerung wendischer Abkunft und hat sich manche Eigentümlichkeit der Nationaltracht bewahrt.
Nr. 14 und 17. Altenburgerinnen.
Kopftuch hinten gefältelt, mit auf Karton gespannten Enden gerade herabfallend. Über dem Hemd ein Kattunjaquett mit langen Ärmeln, auf denen an Schultern Initialen gestickt sind. Über dem Jaquett ein Mieder, dessen Ausschnitt durch einen breiten Puffgefüllt ist. Breite seidene Cravatte. Seidene Bänder mit Franzen, die das Mieder verdecken und vorn über die Schürze herabfallen. Üeber dem Unterrock ein eng gefältelter Wollrock bis an das Knie reichend. Etwas längere seidene Schürze, weisse Wollstrümpfe, unter dem Knie durch Strumpfbänder gehalten. Schuhe ohne Absätze, bei schlechtem Wetter halbhohe Stiefel, oben mit Samtbesatz.

Nr. 13. Fruchthändlerin aus Hamburg. – Kappe aus bedrucktem Kattun mit diadem artig aufrecht stehendem Stirnband. Ein halbes Dutzend Röcke über einander.
Nr. 18. Junge Koburgerin – Auf dem Scheitel eine kleine Kappe mit Glasperlen. Hemd mit Puffärmeln, von einem Mieder mit kleinen Schössen bedeckt. Gefältelter Rock. Ausgeschnittene Schuhe.
Nr. 5. Typus eines Heidelberger Studenten; Anfang des 19. Jahrhunderts- -Silbergesticktes Barrett. Gestickter Halskragen. Überrock mit Passementerie.

Nr. 1, 2, 3, 4, 7, 9, 10, 11, 14, 15, 16, 17 und 19 aus den deutschen Volkstrachten von Albert Kretschmer; Leipzig 1870.
Nr. 12, 13 und 18 aus der Sammlung von Lanté und Gatine: Costumes féminins de différents pays; Paris 1827.
Nr. 6 und 8 aus einer Sammlung von Photographien, in Wien publiziert: Österreichisch-Ungarische Nationaltrachten.
Nr. 5 nach einem Stich aus einer Kostümsammlung, am Anfang des Jahrhunderts von Martinet herausgegeben. Vgl. Albert. Kretschmer, Deutsche Volkstrachten, Leipzig 1870.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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