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Heinrich IV., König von Frankreich

Heinrich IV., König von Frankreich, 1589-1610. Renaissance Portrait.
Heinrich IV., König von Frankreich, 1589-1610.

Geb. 4. Dezember 1553; gest. 14. Mai 1610.

Heinrich IV., König von Frankreich, 1589-1610.

Durch seine Liebenswürdigkeit und Ritterlichkeit ebenso wie durch seine romantischen Aventuren und sein tragisches Ende berühmt geworden, gehört Heinrich IV. unstreitig zu den Lieblingsgestalten der Geschichte.

Er wurde am 4. Dezember 1553 als dritter Sohn Antons von Bourbon und der Johanna von Albret geboren, der Erbin von Navarra und Béarn, die so heldenmütig dachte, daß sie in der schweren Stunde der Geburt einen fröhlichen Gesang anstimmte. Man hat Heinrich des Vierten heitern Sinn gern als mütterliches Erbteil anerkennen wollen. Das kräftige Gepräge seines Wesens erhielt er aber wohl hauptsächlich durch die abhärtende Erziehung, welche ihm seine Mutter erteilen ließ. Sein Vater starb bereits 1562. Schon als Jüngling wurde Heinrich zum Haupt der protestantischen Partei erklärt und erlangte in kurzer Zeit so hohe Geltung in dieser Stellung, daß der französische Hof den Plan ersann, ihn mit Margarete von Valois zu vermählen, um seinen Einfluß den Hugenotten zu entziehen. Heinrichs Mutter wollte hierin nicht willigen, doch ließ sie sich bereden, einen Besuch bei Hofe abzustatten, wobei sie ganz plötzlich am 9. Juni 1572 starb, angeblich durch ein Paar vergiftete Handschuhe, welche die Königin – Mutter Katharina von Medici ihr geschenkt hatte.

Kurze Zeit nachher, am 18. August, fand dann Heinrichs Vermählung statt, welche in der Geschichte den schrecklichen Beinamen »die Bluthochzeit« erhalten hat, weil am 24. August in der Bartholomäus-Nacht die blutige Verfolgung der Hugenotten auf Anstiften der Königin Mutter ins Werk gesetzt wurde. Die de Guise, welche an der Spitze der sogenannten heiligen Ligue standen und ehrgeizige Absichten auf den französischen Thron hegten, bedrohten Heinrichs Leben und wollten ihn auch zwingen katholisch zu werden. Durch ihre Intriguen veranlaßten sie Papst Sixtus V. ihn 1585 in den Bann zu tun. Empört darüber, stellte sich Heinrich wieder an die Spitze der Hugenotten und bekämpfte die Hofpartei mit siegreichen Waffen.

Durch den wichtigen Sieg bei Coutras erlangte er einen großen Erfolg. Sein Schwager, König Heinrich III., rief ihn sogar zu sich, um mit ihm gemeinschaftlich die de Guise zu bekämpfen, welche Paris besetzt hielten und mit einer Entthronung des Königs drohten. Unterstützt vom königlichen Heer zog Heinrich zur Belagerung der französischen Hauptstadt aus, doch sollte er nicht nur als Sieger, sondern auch als Herrscher darin seinen Einzug halten, denn König Heinrich III. wurde am 2. August 1589 durch den Dominikanermönch Jacques Clement ermordet und bestätigte noch kurz vor seinem Tode, daß Heinrich von Navarra der legitime Thronerbe Frankreichs sei.

Als Heinrich IV. hatte er jedoch noch immer mit der katholischen Partei zu kämpfen, erst als er auf den Rat seines treuen Ministers de Rosny, später Herzog von Sully, am 25. Juli 1593 selbst katholisch wurde, gelang es ihm, den Adel und die Geistlichkeit auf seine Seite zu ziehen. Auch die Hauptstadt öffnete ihm ihre Tore ohne Schwertstreich, bei welcher Gelegenheit er gesagt hat: „Paris vaut bien une messe“.

Den Zorn der Hugenotten über seine Abtrünnigkeit entwaffnete er durch den Erlaß des berühmten Edict von Nantes, welches sein Enkel in so grausamer Weise widerrufen hat. Von seiner ersten Gemahlin Margarete von Valois, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen tugendhaften und talentvollen Prinzessin, welche die Mutter von Johanna d’Albret war, ließ Heinrich sich scheiden, weil sie ihm untreu geworden war und überhaupt im Rufe eines leichtsinnigen Lebenswandels stand. Freilich hatte auch Heinrich viel Flatterhaftigkeit bewiesen, denn er verliebte sich in die Gräfin d’Estrées, die berühmte »belle Gabrielle«, für die er zum Liederdichter wurde. Er wollte sie sogar heiraten und zur Königin erheben, doch wurde sie durch eine vergiftete Orange mitten im Glück getötet.

Heinrich tröstete sich indessen sehr rasch mit der schönen Henriette d’Entragues und verschiedenen andern Liebschaften. Jedoch entschloß er sich auf Zureden des Papstes Clemens VIII. zu der standesmäßigen Ehe mit Maria von Medici, welche ihm mehrere Kinder schenkte, ihn aber sonst durch Herrschsucht und Launenhaftigkeit nicht glücklich machte. Er war jedoch ein sehr guter Familienvater, wie aus der häuslichen Szene hervorgeht, bei welcher der Gesandte Spaniens ihn überraschte. Er ließ nämlich, wie ein geduldiges Pferd, seine kleinen Prinzen auf seinem Rücken reiten. Auch für seine Untertanen hegte er die väterliche Gesinnung, ihnen »ein Huhn an jedem Sonntag Mittag« zu wünschen.

Durch seine großmütige und weise Regierung gelangte Frankreich zu äußerem Ansehen und innerem Wohlstand. Aber dennoch mußte er von Mörderhand fallen. Ravaillac, ein Schwärmer und Fanatiker, stieß ihm am 4. Mai 1610 einen Dolch ins Herz.

Quelle: DAS ZEITALTER DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES (1600-1670). ALLGEMEINES HISTORISCHES PORTRAITWERK. MÜNCHEN 1895. VERLAGSANSTALT FÜR KUNST UND WISSENSCHAFT VORMALS FRIEDRICH BRUCKMANN. NACH DEN BESTEN GLEICHZEITIGEN ORIGINALEN NACH AUSWAHL VON DR. WOLDEMAR VON SEIDLITZ MIT BIOGRAPHISCHEN DATEN VON DR. H. TILLMANN UND DR. H. A. LIER.

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