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12.Jh, 13. Jh, 15.Jh, Deutschland, England, Frankreich, Gotik, Kostüm Epoche, Militär, Mittelalter

Rüstungen. Stech- und Turnierrüstungen. Frankreich, 15. Jahrhundert.

Rüstungen, Turnier, Mittelalter, Ritter, gestech, jousten, Auguste Racinet, Turnierrüstungen,
Rüstungen. Stech- und Turnierrüstungen. Kriegs,- Stech,- und Turnierhelmverzierungen.

EUROPA. MITTELALTER.

FRANKREICH, XV. JAHRHUNDERT. – RÜSTUNGEN. KRIEGS-, STECH- UND TURNIER- HELMBÜSCHE. STECH- UND TURNIERRÜSTUNGEN.

Nr. 5. Ritter in der Rüstung für das Stechen. – Ritter in der Rüstung für das Turnier.
Das Turnier war ein Kampf zwischen zwei gleich zahlreichen Truppen; das Stechen ein Einzelkampf mit der Lanze. Letzterer ging gewöhnlich dem Turnier voran. Das Lanzenstechen hiess im XII. und XIII. Jahrhundert bohorder; für Stechen und Turnier brauchte man jedoch meist die gemeinsame Bezeichnung bouhourdis, belhordis, oder trespignées sowie combats à la foule. Man kämpfte mit höfischen Waffen, d. h. mit stumpfen Lanzen und Schwertern und leichtem, glattem Kolben.

Geoffroy de Preuilly († 1066) scheint zuerst das Turnierreglement festgelegt zu haben. Die Turnierrüstung glich anfangs durchaus der Kriegsrüstung; seit dem vierzehnten Jahrhundert wurde das Verhältnis ein umgekehrtes. Das immer schwerer gewordene Turnierzeug wurde auch im Kriege angelegt und machte den Ritter zum Kampfe untauglich.

Beschreibungen von Turnierrüstungen existieren erst aus der Mitte des XV. Jahrhunderts. Um diese Zeit ist der stechende Ritter nur eine Maschine zum einmaligem Anprall. Der Brusthaken hält die Lanze, die nur in einer gewissen Höhe waagrecht eingelegt zu werden braucht. Der gewaltige Helm ist hinten und vom durch Riemen an den Panzer geschnallt. Die Armschienen sind gegliedert; der linke Handschuh ist aus einem Stück mit der Ellenbogenkachel. Die ganze Widerstandskraft des Brustharnisch liegt auf der Vorderseite. Der ältere Topfhelm macht dem geschlossenen Helm Platz, dessen abgeschrägte Flächen, durch einen horizontalen Augenschlitz unterbrochen, die Lanze abgleiten liessen. Man steckte den Kopf durch den Halsschutz und konnte ihn in dem weiten Hohlraum wohl nach rechts und links, nicht aber nach vorn und hinten bewegen. Als Helmzier dienten Federn, Turbane, Kronen; die Helmdecken fielen auf den Nacken herab.

Nr. 5, zum Stechen gerüstet, trägt das Wappen des Connetable von Richmont. Sein Topfhelm trägt einen Wulst und eine Decke aus Hermelin; als Helmzier dienen ein Hut mit aufgeschlagener Krempe, Hörner und ein Hermelin. Die Lanze zeigt drei stumpfe Haken; die Tartsche ist mit Elfenbein und Horn bekleidet. Der Steigbügel ist ein eiserner Schuh. Der Ritter trägt den von einer Dame gestifteten langen Ehrenärmel, der vom XIl.-XV. Jahrhundert im Gebrauch war.

Nr. 6, zum Turnier gerüstet, trägt den aus cervelière, bavière und visière zusammengesetzten Helm. Als Angriffswaffe dient das abgestumpfte, vorschriftsmassig vier Finger breite Schwert. Am Sattelbogen befindet sich der hour oder hourd, ein besonderer Schutz für den Unterleib, mit einer Art Griff, den man, um sich besseren Halt zu geben, mit der linken Hand fasste. Als Helmzier dient eine Herzogskrone mit einem Narrenkopf.

Die sonstigen auf unserer Tafel abgebildeten Helme gehören zu Kriegsrüstungen und zeigen, wie viel Erfindungsgabe man auf die Helmverzierungen verwandte.

ORDNUNGSMÄSSIGE FELDRÜSTUNGEN. ZEIT KARLS VII.

(Karl VII. „der Siegreiche„, 22. Februar 1403 – 22. Juli 1461, war von 1422 bis 1461 König von Frankreich.)

Nr. 11. Fusssoldat. An seiner Bewaffnung sind hervorzuheben die am Anfang dieses Jahrhunderts aus der Schweiz eingeführte Hellebarde und der pavois (vgl. Nr. 10). Der letztere, ein grosser Schild, der fast den ganzen Körper deckte, konnte vermittelst einer Spitze in der Erde befestigt werden und wurde besonders bei der Bestürmung fester Plätze gebraucht. Der Rumpf des Soldaten ist durch einen Brustharnisch und Hüft- und Schenkelstücke aus Stahlschuppen, die auf Seide, Samt oder Leder befestigt sind, geschützt. Der rechte Arm trägt eine Schulterplatte; die Ärmel sind aus mehreren Leinwandschichten zusammengesetzt und mit Leder ausgesteift. Die Sturmhaube ist eine salade mit Backenklappen. Den Hals schützen besondere Panzerringe.

Nr. 12. Armbrustschütze. Der Helm desselben ist eine salade mit Nackenschutz und Backenklappen. Hals, Oberarm und Hüften deckt ein Kettenpanzer. Als Brustharnisch dient eine Briqantine mit Brustplatten. Dazu kommen Knieschienen und Schenkelschuhe. Der grosse Pavois in Form eines Zylinderausschnittes trägt neben den französischen Lilien das Bild des h. Sebastian (vgl. Nr. 7). Als Angriffswaffe dient der grosse Dolch mit nach oben und unten gebogenen Stichblättern. Die Armbrust zeigt einen Steigbügel, in den man den Fuss setzte, um sie zu spannen. Der Köcher hängt am Gürtel und enthält die Bolzen. Die Letzteren (vgl. Nr. 8) bestehen aus einem Holzschaft mit drei- oder viereckiger Spitze. Der Armbrustschütze konnte etwa zwei Schuss in einer Minute abgeben. Seine Waffe trug in gerader Linie etwa 100 m weit.

Die Armbrust. Form und Funktionsweise. Fernwaffen.

Nr. 13. Ritter derselben Zeit. Er trägt die Vollrüstung, die man gewöhnlich als cotte de fer bezeichnet. Aus zwei Platten, für den Rücken und für die Brust, zusammengesetzt, mit einem Hüftschutz aus Panzerringen und Eisenschienen versehen, erschien sie wieder um 1400. Dazu kommen eine Salade mit Visier ohne Kinnreff, Schulterdecken, Ellbogenkacheln, Armschienen, Eisenhandschuh, Beinschienen und Knieschutz. Die Tartsche kommt mehr und mehr aus der Mode und wurde nur noch bei Turnieren getragen. Nr. 2 ist ein Steigbügel, Nr. 9 ein Streithammer aus derselben Zeit.

Nr. 2, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12 u. 13 im Musee d’artillerie in Paris.
Nr. 1, 3, 4, 14, 15, 16, 17 u. 18 im Vestibul der Präfectur in Pistoja.
Abbildungen nach Photographien.

Vgl. Viollet-le-Duc, Dictionnaire raisonne du mobilier français; armes de guerre offensives et defensives. – M. Quicherat, Historie du costume en France. Notice sur les costumes de guerre du Musée d’artillerie, 1876.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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