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Kriegstrachten im Mittelalter. Fahnen, Banner, Standarten.

Rüstung, Mittelalter, Ritter, Heraldik, Waffen, Auguste Racinet
Kriegstrachten. Frankreich 12. 13. und 14. Jahrhundert. Waffen vom 12. bis 15. Jahrhundert.

EUROPA. MITTELALTER. KRIEGSTRACHTEN.

FRANKREICH XII., XIII. UND XIV. JAHRHUNDERT. – WAFFEN VOM XII. BIS XV. JAHRHUNDERT. FAHNEN, BANNER, FÄHNCHEN, STANDARTEN U.S.W.

Nr. 20. – Ritter vom Ende des XII. Jahrhundert.

Der Typus der Rüstung, nach dem Siegel der Montmorency, gehört dem dritten und vierten Kreuzzug an. Zylinderförmiger Helm mit glattem Boden, bronzenem Nasenschutz, mit Schall-, Seh- und Atemlöchern. Langes Kettenhemd und darunter ein bis auf die Knöchel reichender, vorn offener Waffenrock. Schwertgurt und Sporenriemen mit Emaillen besetzt. Beine und Schuhe ebenfalls mit Ringgeflecht bedeckt. Die Scheide des Schwertes mit Bronzegriff aus bemaltem Leder mit Bronzebeschlag. Holzschild mit Bronzebeschlag und Wappenbild an einem über die Brust gehenden Riemen. Die Lanze würde etwa 12 Fuss lang sein, mit glatter Spitze, ohne Handschutz und Gegengewicht.

Nr. 22. – Bannerherr, Ende des XIII., Anfang des XIV. Jahrhunderts (Epoche Philipp des Schönen).
Dieser Ritter, nach dem Siegel der Hugues von Chatillon dargestellt, trägt Pilgerstab und Tasche, wie man sie vor der Abreise in das heilige Land anlegte. Nach dem im Lager von Gisors 1188 gefassten Beschluss war das rote Kreuz das Abzeichen der Franzosen, das weisse das der Engländer, das grüne das der Elamländer. Im hundertjährigen Kriege wechselten die Abzeichen der Franzosen und der Engländer, weiss für die ersteren, rot für die letzteren.

Der Topfhelm des Ritters zeigt eine ähnliche Anordnung des Visiers wie der Nr. 20. Er war so schwer und unbequem, dass man ihn für Turnier und Parade reservierte und sich im eigentlichen Kampf mit der Eisenkappe (cervelière), dem Backenhelm (bacinet) oder dem Eisenhut (Chapeaux à Montauban ) (vgl. Fig. 23) begnügte.

Die Rüstung dieser Zeit besteht zunächst aus der broigne oder brogne, auf Leder oder Linnen aufgenähten, bisweilen mit einem Stoffüberzug bedeckten Platten, Schuppen oder Ringen (vgl. Nr. 11). Die Platten waren aus gehämmertem Eisen; Schulterstücke, Oberarmdecke, Ellenbogenkacheln, Knie- und Beinschienen. Handschuhe und Fussbekleidung unter dem Schuppenpanzer von Leder.

An Stelle der normannischen Stachelsporen treten aufgeschnallte Radsporen. Der ärmellose Waffenrock, um die Taille gegürtet, ist vorn, nach 1300 auch hinten und an den Seiten geschlitzt. An dem von links nach rechts geschnallten Rittergurt hängt auf der einen Seite das Schwert, auf der andern der Dolch (miséricorde). Die Lanze trägt das viereckige Banner der Bannerherren, die mindestens eine Truppe von 50 Mann ins Feld führen mussten. Einfache Edelleute mit geringerem Gefolge führten das dreieckige Fähnchen (pennon).

Von den Schriftstellern des XII. und XIII. Jahrhunderts werden die Ausdrucke gonfanon, gonfenon und bannière unterschiedslos für das Feldzeichen der Mannschaft eines Barons angewandt. Die Standarte (étendard) besteht aus einem grossen, in der Mitte geschlitzten, in zwei Spitzen endenden Stück Stoff und ist zunächst bestimmt, den Platz des Höchstkommandierenden zu kennzeichnen. Dennoch haben alle hier angeführten Feldzeichen bis zum Ende des XV. Jahrhunderts einen rein persönlichen Charakter, nationale und Parteiembleme erscheinen bis dahin niemals auf denselben; sie tragen nur das Wappen oder die Devise des Führers.

Nr. 23. – Kriegsrüstung zur Zeit Philipps von Valois (1328 bis 1350). (Erster Teil des hundertjährigen Krieges.) Eisenhut (chapeau de Montauban) über einer Kapuze aus Ringgelecht, unter der man eine wollene Kappe trug. Beinschutz und Schuhe aus Eisenplattne, in die Fussbekleidung eingenietete Stachelsporen. Schulter- und Armplatten. Die Brust durch Schuppenpanzer, Halsberg und Steppjacke (haubergeon und hoqueton) geschützt. Darüber der in den Hüften gegürtete Waffenrock. Am Gürtel Schwert und Dolch, in der Rechten die lange Lanze ohne Fähnchen. Der Schild ist der seit der Niederlage bei Crécy 1346 in Gebrauch gekommene pavas, palevas oder talevas, den ganzen Körper deckend und für den Kampf zu Fuss bestimmt. Er zeigt das weisse Kreuz auf rotem Feld (vgl. Nr. 22).

Nr. 18. – Fusssoldat (Zeit des Königs Johann, Jean II le Bon, 1350-1364).

Im Anfang des XIV. Jahrhunderts kam der Infanterist zur Geltung. Die Söldner, Sergents genannt, brachten aus dem Ausland eine Menge neuer Angriffswaffen mit, die Hellebarde (guisarme oder hallebarde), die dänische Streitaxt, den Wurfspiess (dard), die Sense (faussard, fauchard; faucil), die flamländische Pike (godendart, corrumpirt aus godendag). Die kleineren Gemeinden und Städte richteten sich in der Organisation ihrer Bürgerwehren nach diesen Söldnern.

Der hier dargestellte Fusssoldat trägt die Hakensichel, das kurze Schwert und das Messer. Der Körper ist mit einem Steppwams und darüber mit einem Kettenhemd bekleidet. Der Helm zeigt die Form der Salade mit einer Bavière als Halsschutz. Darunter eine Kapuze, deren Fortsetzung zugleich die Schultern bedeckt. An der Schwertscheide hängt der kleine Rundschild, Faustschild (rouelle oder boce). Die stählernen Beinschienen sind durch einen Lederriemen gehalten. Die Lederhandschuhe sind durch eine Metallplatte verstärkt.

Nr. 21. – Befehlshaber der Stadtmiliz von Paris in Rot und Blau mi-parti (dieselbe Zeit).
Eisenhut mit niedergeschlagenem als Visier dienenden Rand, darunter eine blaurote Kapuze. Brigantine aus Metallplatten auf Leder und Braconnière, deren Platten aussen sichtbar sind; Ärmel aus Ringgeflecht mit eiserner Unterarmdecke und Lederwulst. Eiserne Schulter- und Kniekacheln. Beinschienen aus Leder durch Eisenbänder verstärkt. Blauroter Überwurf, zungenförmig ausgezackt nach der Mode der Zeit.

Nr. 1, 2, 3, 10, 12. – Schilde des 12. Jahrhunderts.
Die Bemalung des Schildes ist bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts willkürlich, erst im Anfang des 14. Jahrhunderts wird sie wappenmässig bestimmt.

Nr. 10. – Kurzes Schwert derselben Zeit.
Nr. 8. – Sattel derselben Zeit.
Nr. 4. – Helm aus Kupfer. Ende des 11. Jahrhunderts.
Nr. 5. – Topfhelm. Anfang des 13. oder Ende des 12. Jahrhunderts.
Nr. 13. – Bacinet des 13. Jahrhunderts.
Nr. 9. – Salade mit Nackenschutz. Die Salade scheint zuerst unter Karl VII. gegen 1440 in Gebrauch gekommen zu sein.
Nr. 7. – Grosser Turnierhelm des 14. Jahrhunderts. Die Helmzierde ist abgebrochen.
Nr. 6. – Alter englischer Helm. Um 1460 in Gebrauch gekommen, erhält sich dieser vollkommenste Kopfschutz mit festem Halsberg bis in die Zeit Ludwigs XIII. hinein.

Illustrationen nach Photographien.
Nr. 18, 20, 21, 22, 23 und die dazu gehörigen Details Nr. 11, 14, 15, 16, 17 aus der Sammlung des Musee d’artillerie in Paris.
Nr. 1 vom Portal von Notre-Dame in Chartres und Nr. 2, 3, 8, 10, 12 u. 19 nach Miniaturen, aus Willemin entlehnt.
Nr. 4, 5, 6, 7, 9 u. 13 aus dem Musee d’artillerie in Paris.

Vgl. Notice sur les costumes de guerre du Musee d’artillerie (Paris, 1876). – Viollet-le-Duc, Dictionnaire raisonne du mobilier français: armes de guerre. – Quicherat, Histoire du costume en France. – Gustav Desjardins, Recherches sur les Drapeaux francais (Paris, 1874).

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Herausgeber: Firmin-Didot et cie. Paris, 1888.

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