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Du bist hier: Startseite1 / Aktuell2 / Deutschland3 / Bayern4 / Herolde des 18. und 19. Jahrhunderts.
15.Jh, 18. Jh, 19. Jh, Bayern, Deutschland, England, Kulturgeschichte, Mittelalter, Österreich, Preussen, Schottland, Schweden, Ungarn

Herolde des 18. und 19. Jahrhunderts.

Herolde aus dem 20. und 19 Jahrhundert. Die Wappenkönige, Heroldsämter. Heroldskollegium, Wappenoffiziere, Heroldsamt, Landesherold, Reichsherold, Persevant
Herolde des 18. und 19. Jahrhunderts.

Herolde aus dem XVIII. und XIX. Jahrhundert.

Das englische Heroldskollegium

Unter allen derzeit noch existierenden Heroldsämtern nimmt das »Heralds College oder College of arms« zu London den ersten Rang ein. Das Wappen dieses Kollegiums zeigt Fig. 1. In Silber ein rotes Kreuz (St. Georgs-Kreuz), bewinkelt von je einer blauen Taube mit nach vorn gestelltem, rechtem Flügel.

Das Kollegium, dessen Konstituierung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert nachzuweisen ist, untersteht dem jeweiligen »Earl Marshal of England«, welche Würde seit König Karl II. den Herzogen von Norfolk erblich zukommt. Das englische Heroldskollegium wird aus folgenden »Officers of arms« gebildet, die alle eigene Amtsnamen führen:

  • Drei Kings of arms (Wappenkönige): 1. Garter, 2. Clarenceux (nach dem Herzogtum Clarence so benannt; sein Amtsbezirk umfasst alles Land südlich vom Fluss Trent) und 3. Norroy (eigentlich North-Roy, Nordkönig; sein Bezirk liegt nördlich vom Trent).
  • Sechs »Heralds« (Herolde): 1. Chester, 2. Lancaster, 3. York, 4. Somerset, 5. Richmond und 6. Windsor. Zwei Herolde »extraordinary«: 1. Surrey und 2. Maltravers.
  • Endlich vier »Pursuivants«, (Persevanten oder Unterherolde): 1. Rouge Croix (Rotes Kreuz), 2. Bluemantle (Blaumantel), 3. Rouge Dragon (Roter Drache) und 4. Portcullis (Fallgitter).

Unter allen diesen Wappenoffizieren kommt dem Garter King of arms, dem Wappenofficial des Hosenband-(Garter)ordens, der Vorsitz im Kollegium zu. Seine Gala-Amtstracht zeigt Fig. 2. Der Tabard (Wappenrock) zeigt die Wappenbilder von England, Schottland und Irland, das königliche Wappen.

Ausserhalb des englischen Heroldskollegiums steht der Herold des Fürstentums Wales, Bath oder Gloucester genannt.

Neben dem englischen Heroldsamt fungieren für Schottland und Irland noch eigene Ämter und zwar das Schottische mit einem Wappenkönig: Lyon King of arms (bereits um 1399 nachweisbar) und drei Herolden: 1. Albany, 2. Marchmont und 3. Rothesay (Lyon Clerk), sowie drei Persevanten: 1. Unicorn, 2. Bute und 3. Carrick. Das Irländische Amt weist nur einen Wappenkönig, den Ulster King of arms und einen Persevanten, Athlone genannt, auf.

Lyon King of arms, Wappen, Heraldik, Herolde, Heralds,
Fig. 14. Wappen des Lyon King of arms.

Die Wappenkönige führen in ihrem Wappen ausser Ihrem persönlichen Wappenbild noch das ihnen zustehende Amtswappen, den Schild mit der Heroldskrone, der SS Collane, dem entsprechenden Badge (Emblem) und zwei gekreuzten Heroldsstäben geschmückt. Fig. 14 gibt als Beispiel das Wappen James Balfour Paul Esqu. seit 1890, Lyon King of arms. Er ist in der Reihe der schottischen Wappenkönige der sechsundzwanzigste. Der Schild ist gespalten und zeigt vorn das Amtswappen des Lyon King of arms: Unter einem blauen Schildhaupte, das mit einem silbernen Andreaskreuze überzogen ist (Schottischer Banner), in Silber ein sitzender, vorwärts gekehrter, roter Löwe, in der rechten Pranke die grüne Distel von Schottland, in der linken ein rotes Schildchen haltend.

Hinten erscheint das Geschlechtswappen: In Gold ein erniedrigter und gespitzter, schwarzer Stufengiebel, über demselben zwei rote Löwen, unter demselben ein rotes Schildchen. Auf dem Schilde ruht die Krone der Kings of arms, bestehend aus einem mit Hermelin unterlegten, goldenen Stirnreife mit der Inschrift: MISERERE MEI DEUS SECUNDUM MAGNAM MISERICORDIAM TUAM (51. Psalm). Dem Stirnreife sind 16 (sichtbar 9) goldene Eichenblätter aufgesetzt, hinter denen die Kronenhaube aus hochrotem Atlas sichtbar wird.

Wappen des derzeitigen Lyon King of arms.

Fig. 14. Wappen des derzeitigen Lyon King of arms.
Die Haube ist oben in der Mitte mit einer goldenen Quaste geschmückt, die aber hier durch den aufgestellten Helm der Esquires (Helm mit geschlossenem Visier) verdeckt wird. Die Heroldskrone in ihrer heutigen Form dürfte zur Zeit der Thronbesteigung König Jakob’s I. (1603) festgestellt worden sein. Die Krone des Garter, von ihm nur bei Krönungen getragen, besteht aus reinem Gold, jene der Provinz- Wappenkönige aus vergoldetem Silber. Der Helm, mit schwarz-goldener Decke, trägt als Crest (Kleinod) auf einem goldschwarzen Wulste einen sitzenden, vorwärts gekehrten, roten Löwen, dessen rechte Pranke sich auf ein rotes Schildchen stürzt. Hinter dem Schild kreuzen sich zwei mit Distelblumen geschmückte Heroldsstäbe.
Der Schild ist unterzogen vom silbernen »Collar of SS« und dem Badge des Lyon King of arms, einem elliptischen, mit der englischen Königskrone geschmückten Medaillon, das im blauen Felde den Schottischen Schild über einer Distelblume enthält. Über dem Wappen schwebt ein Devisenband mit der Inschrift: PRO · REGE · ET · REPUBLICA. (Nach Armorial Families v. A. C. Fox-Davies. 1895.) Die einfachen Herolde führen nur die SS Collane in ihren Wappen.

Herold des preussischen Schwarzen Adlerordens.

Fig. 3. Herold des preussischen Schwarzen Adlerordens vom Jahre 1890. Die blaue Farbe des Heroldskleides, das mit dem kleinen preussischen Wappen geschmückt ist, entspricht der Farbe des Ordenskreuzes. (Der Hohe Orden vom Schwarzen Adler war der höchste preußische Orden.)

Fig. 4. Adeliger Herold bei der Krönung des Königs Wilhelm I. von Preussen zu Königsberg am 18. Oktober 1861.

Königlich bayerischer Reichsherold.

Fig. 5. Königlich bayerischer Reichsherold bei der Thronbesteigung des Königs Ludwig II. von Bayern im Jahre 1864. Dieser trägt einen reich mit Silber gestickten und mit silbernen Bouillonfransen besetzten Tappert aus himmelblauem Samt, der vorn und rückwärts mit dem grossen königlichen Wappen von Bayern geschmückt ist.
Ein gesticktes Unterkleid von Silberstoff. Beinkleider von weissem Atlas mit weiss-blauen Rosetten, weissseidene Strümpfe, sowie weisslederne Schuhe mit weiss-blauen Rosetten vervollständigen das Kostüm des Herolds. Als Kopfbedeckung dient ein blausamtenes Barett mit einer silbergestickten Stirnbinde und drei weiss-blau-weisse Straussenfedern. Das silberne Heroldsszepter (80 cm lang) ist oben mit einer goldenen Krone geschmückt. Zu Pferd trägt der Herold weissseidene Tricots und weisslederne mit Silber-Bouillonfransen besetzte Stiefel mit silbernen Sporen. An Stelle des Szepters einen silbernen, oben und unten mit den bayerischen Wecken gemusterten Heroldsstab von 67 cm Länge.

Königlich bayrischer Persevant.

Fig. 6. Königlich bayrischer Persevant. Derselbe trägt einen blausamtenen , mit silbernen Borden eingefassten Tappert, ein mit silbernen Borden verziertes Unterkleid von weissem Atlas, Beinkleider von weissem Tricot, weisslederne, mit Silberfransen besetzte Stiefel mit plattierten Sporen und einen schwarzen, aufgestülpten Hut mit einer blauen und einer weissen Straussenfeder. (Nach Mitteilungen des kgl. bayr. Heroldsamtes.)

Königlich ungarischer Landesherold.

Fig. 7. Königlich ungarischer Landesherold bei der Krönung des Königs Franz Joseph 1. am 8. Juni 1867. Der Heroldstappert zeigt vorn und rückwärts das Wappen von Ungarn. Der Kalpak ist mit überhängenden Straussenfedern in den Landesfarben, Rot-Weiss-Grün, geschmückt. Der Herold trägt ein goldverschnürtes, grünes Unterkleid und gelbe Czismen (leichte, anliegende ungarische Reitstiefel), die weissledernen Stulphandschuhe, an den Rändern in den Landesfarben befranst, zeigen am Handrücken das Landeswappen farbig eingestickt.

Herold der Kaiserlichen Reichs-Haupt und Residenzstadt Wien.

Fig. 8. Herold der Kaiserlichen Reichs-Haupt und Residenzstadt Wien. (1879.) Der Herold ist in den Stadtfarben Rot-Weiss gekleidet und trägt auf der Brust das grosse, auf den Achselstücken das kleine Wappen der Stadt.

Königlich Schwedischer Reichsherold.

Fig. 9. Königlich Schwedischer Reichsherold aus dem 18. Jahrhundert. Er trägt einen Tappert aus purpurrotem Samt, bordiert mit den Kettengliedern des Seraphinenordens in Goldstickerei. Auf der Brust erscheint das von goldenen Kronen begleitete Monogramm Jesu Christi aus dem Sterne des Seraphinenordens. Um den Hals gelegt erscheinen die Ordensbänder des Seraphinenordens (blau) und des Wasaordens (grün), auf der Brust die Ritterzeichen des Schwertordens (gelb) und des Nordsternordens (schwarz).

Herold des Ordens des Königreichs Schwedens.

Fig. 10. Herold des »Ordens des Königreichs Schwedens« (Seraphinenorden). Der Tappert besteht aus dunkelblauem Samt mit ähnlicher Goldstickerei wie bei dem des Reichsherolds. Die Inschrift auf den Achselstücken lautet: JESUS HOMINUM SALVATOR.

Herold des schwedischen Schwertordens.

Fig. 11. Herold des schwedischen Schwertordens.
Der blaue Tappert trägt auf der Bruststelle das Emblem des Ordens, ein von Kronen begleitetes, blosses Schwert. Auf den Achselstucken erscheint die Inschrift: PRO PATRIA.

Herold des schwedischen Nordsternordens.

Fig. 12. Herold des schwedischen Nordsternordens. Das rote Heroldskleid ist mit dem Embleme dieses Ordens geschmückt. Die Inschrift auf den Achselstücken lautet: NESCIT OCCASUM. (»Er kennt keinen Untergang«.)

Herold des schwedischen Wasaordens.

Fig. 13. Herold des schwedischen Wasaordens.
Der grüne Tappert trägt auf der Bruststelle das Emblem dieses Ordens, eine goldene Korngarbe. In der Borde erscheint die Inschrift: GUSTAF · DEN · III · INSTIFTARE · MDCCLXXII. (Gustav III. Stifter, 1772.)
Alle diese Kostüme sind derzeit nicht mehr im Gebrauch. (Mitt. d. schwed. Reichsherolds, Major K. A. von Klingspor.)

Quelle: Heraldischer Atlas von H. G. Ströhl. Verlag Julius Hoffmann Stuttgart 1899.

Weiterführend:

Herolde vom 14. bis 17. Jahrhundert
Altdeutsche Staatswappen im 19. Jh.
Schlagworte: Heraldik, Kleidung des Mittelalters
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