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1048, 11. Jh, Kostüm Epoche, Liturgie, Mittelalter

Die Hospitaliter. Johanniter und Johanniterinnen vom Malteserorden.

Johanniter, Malteserorden, Ritter, Mittelalter, Kreuzzug, Kostüm, Bekleidung,
Johanniter vom Malteserorden.

Zur Geschichte der Kostüme. Dreiundvierzigster Bogen. XII. und XIII. Jahrhundert. Münchener Bilderbogen Nr. 733.

Die Johanniter vom Malteserorden.

Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes von Jerusalem von Rhodos und von Malta. Gegründet in Jerusalem im Jahr 1048.

Allgemein bekannt als der Malteserorden, ist ein katholischer religiöser Laienorden, der traditionell militärischer Natur ist. Er wurde als „der kleinste souveräne Staat der Welt“ bezeichnet, obwohl er von den Vereinten Nationen nicht als solcher anerkannt wird.

Wahlspruch: Tuitio fidei et obsequium pauperum („Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“)

Johanniterinnen, Malteserorden, Habit, Tracht, Nonnen, Ritterorden, Bekleidung, Münchener Bilderbogen
Johanniterinnen vom Malteserorden.

Bild: Münchener Bilderbogen 1848 bis 1898. Zur Geschichte der Kostüme. Herausgegeben von Braun & Schneider. Kgl. Hof-und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn in München.

Die Hospitaliter.

Als geistlicher Ritterorden dem des Templerorden an Alter um weniges nachstehend, ist der «Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem» als Orden überhaupt älter. Er ist der einzige geistliche Ritterorden, der sich unmittelbar aus einem Mönchsorden gebildet hat. Dieser letztere wurde um die Mitte des 11. Jahrhunderts in Jerusalem von einem Kaufmann aus Amalfi nach der Benediktinerregel gegründet und später neben seinem Kloster ein Hospital zur Verpflegung von Pilgern und zu Ehren Johannes des Barmherzigen errichtet, das seit dem Beginn der Kreuzzüge bedeutende Schenkungen von Ländereien in Europa erhielt.

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Grossmeister Raymond du Puy (1120 – 1158/60)

An der Versorgung des Hospitals nahmen auch ritterliche Kreuzfahrer Teil, die sich ausserdem zum Schutz der Pilger und zum Kampf für das heilige Land verpflichteten. Das Beispiel des Templerordens war dann die Veranlassung, dass nach dem Tod des Großmeisters Gerhard Sasso (1100 –1120) dessen Nachfolger Raymond du Puy (1120 – 1158/60) den Mönchsorden 1120 in einen «Ritterorden des Hospitals St. Johannis» verwandelte und zum Patron desselben Johannes den Täufer erkor und das erste bedeutende Krankenhaus der Hospitaliter in der Nähe der Grabeskirche in Jerusalem einrichtete. Dazu unterteilte Raymond den Orden in kirchliche, militärische und dienende Brüder und teilte seine Tätigkeit in Verpflegung der Armen und Kranken, Unterstützung der Pilger und der aus mohammedanischer Gefangenschaft befreiten Leute, Ermöglichung von Ehen zwischen Unbemittelten, Aufnahme ausgesetzter Kinder u. s. w.

Die Krankenhäuser des Ordens waren für ihre Zeit vorbildlich eingerichtet und mit Ärzten, Betten, Heil- und Lebensmitteln ausgiebigst versehen. Im 12. Jahrhundert verpflegte der Orden beständig an die 2000 Kranke, er kann eigentlich als der Gründer europäischer Krankenpflege betrachtet werden und genoss zu seiner Zeit allgemeine Verehrung.

Seitdem aber der Orden ritterlichen Charakter angenommen, wurde die oben genannte Tätigkeit den dienenden Brüdern überlassen, während die Kleriker des Ordens die Seelsorge in seinen Besitzungen übernahmen, die Ritter aber sich dem Waffenhandwerk widmeten und die Aufnahme in ihre Reihen an gewisse Bedingungen der Herkunft knüpften, die aber abhängig der Herkunft in den jeweiligen Ländern verschieden war.

Ausser den genannten drei Klassen zählte der Orden zu seinen Angehörigen, freilich in lockerem Verbund, die weltlichen Gruppen der Donaten, die in seinen Schutz traten und oft später sich förmlich in seine Reihen aufnehmen liessen, und der Confratres, vornehmer Leute, die ihm Schenkungen machten und an den kirchlichen Freiheiten, die er sich ähnlich den Templern erwarb, Anteil nahmen. Diesem Verbund traten auch Frauen als Consorores *) bei. Auch gab es in Spanien geistliche Frauen, die dem Orden affiliert waren und der Krankenpflege und Wohltätigkeit lebten.

*) Consorores und Confratres waren Laien die den Orden durch Arbeit oder finanzielle Mittel regelmäßig unterstützten.

Hospitaliter, Ritterorden, Kreuzzug, Bekleidung, Habit, Kostüm
Hospitaliter im 11. Jahrhundert

Durch diese Organisation gelangte der Orden des Hospitals zu eben solchem Reichtum und Einfluss, wie derjenige des Tempels und zu ebenso grosser Unabhängigkeit von der kirchlichen Hierarchie. Das ritterliche Element wurde mehr und mehr die Hauptsache und der ursprüngliche Zweck Nebensache. Der Grundzug des Ordens wurde militärisch, und diese Richtung drückte sich in seiner Verfassung aus. Nachdem die Johanniter früher die mönchische Tracht, einer schwarzen Kutte mit weissem Kreuz trugen, übernahmen sie später die ritterliche Tracht bestehend aus einem roten Untergewand und einem schwarzen Mantel mit dem Kreuz, das zur Erinnerung an die acht Seligkeiten der Bergpredigt acht Ecken hatte. Die anfänglichen Verbote kostbarer Stoffe wurden immer weniger beachtet; auch wurden die Ritter nachlässig in Bezug auf die früheren strengen Vorschriften bezüglich der Nahrung und Wohnung, tranken Wein statt nur Wasser, beschränkten das Fasten und wohnten in eigenen Zimmern.

Als der Orden durch Schenkungen immer reicher wurde, nannte er ein Reich sein, das, wenn auch aus zertrennten Gütern bestehend, den Orient, soweit und solange er im Besitze der Christen war, und alle Staaten des Abendlandes umfasste. Zu seinen Besitzungen gehörten tausende von lehenspflichtigen Edelleuten, ganze Stadtteile, weite Landbezirke und einzelne Höfe, Casalia genannt, auch einzelne Häuser in zahllosen Städten ferner Mühlen, Weinberge, Wälder, Steinbrüche, Salinen u. s. w. die aber alle durch Kauf, Verkauf, Tausch und Schenkungen beständigem Wechsel unterworfen waren.

Sein Hauptsitz war, so lange die Christen sich dort hielten, Jerusalem, und zwar der grosse Häuserbezirk des «Hospitals», gegenüber der Kirche des heiligen Grabes. Um das heilige Land hatte er ganze Ketten von Burgen, besonders gegen Ägypten, später mehr gegen Osten; zusammenhängenderes Gebiet besass er in der Grafschaft Tripolis und im Fürstentum Antiochia. Sein festester Punkt war hier seit 1186 das Schloss Margat oder Markab, wo tausend Mann Besatzung lagen; 1285 fiel die Burg in die Hände der Sarazenen. Nicht weniger fest war die 1125 eroberte Johanniterburg Kerak oder das Kurdenschloss bei Tripolis, das aber schon 1271 fiel. Die Johanniter waren nahe daran, im Gebiete von Antiochia einen Ordensstaat zu gründen und lagen darum lange im Streite mit den dortigen Fürsten.

Auf seinen Gütern besass der Orden auch Hörige und sogar wirkliche Sklaven, die sich ihm zum Teil freiwillig hingegeben, teils ihm geschenkt waren, deren Verkauf aber durch die Ordensstatuten beschränkt (nicht verboten) war. Getauft werden durften die Sklaven, wenn sie Nichtchristen waren, nur mit Erlaubnis des Meisters.

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Malteser Ritter des 16. Jahrhunderts im Hausgewand.

Die Einnahmen des Ordens bestanden in Zöllen, die ihm verliehen waren, in Zehnten, in Bussen und Strafgeldern seiner Untertanen, in Renten und im Nachlass verstorbener Brüder. Auch machte der Orden Geldgeschäfte in Anleihen u. s. w. Seine Einkünfte werden auf 36 Millionen Francs geschätzt, und man sagte ihm Bestechungen und andere unedle Handlungen nach. Zur Zeit seiner grössten Macht war der Orden des Hospitals in acht, nach Ländern benannte, sogenannte Zungen eingeteilt, denen die Ritter angehörten, die diese «Zungen» sprachen, gleichviel wo sie sich aufhielten. Die Namen desselben waren: Provence, Auvergne (Französische Region), Frankreich, Italien, Aragon, Kastilien, England und Deutschland.

An der Spitze einer jeden sog. Zunge stand ein Grossprior, der zugleich ein bestimmtes Ordensamt bekleidete, von Auvergne als Marschall, der von Italien als Grossadmiral, von Provence als Schatzmeister oder Finanzminister, von Frankreich als Grosshospitalier, von Aragon als Ordensdrapier, von Kastilien als Grosskanzler, von England als Oberseneschall und der von Deutschland als Grossordensbailli oder dem Großprior. Die benannten acht Zungenhäupter, Grosspriore, die zugleich den geheimen Rat des Großmeisters bildeten. Diesen Rat nannte man auch Ballivi conventuales. Ihnen unterstanden die Distriktspriorate und unter diesen Balleien und Commenden der Komthureien.

Quelle: Geschichte des Rittertums Otto von Henne am Rhyn. Leipzig, P. Friesenhahn, 1894.

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Schlagworte: Kostüme der Gotik, Liturgisches Gewand, Münchener Bilderbogen, Ritter, Soldat des Mittelalters
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