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Du bist hier: Startseite1 / Aktuell2 / 19. Jh3 / 18094 / Andreas Hofer, Anführer des Tiroler Volksaufstandes 1809
1809, 19. Jh, Genre, Italien, Kulturgeschichte, Österreich, Tirol

Andreas Hofer, Anführer des Tiroler Volksaufstandes 1809

Andreas Hofer, Anführer des Tiroler Volksaufstandes 1809. Österreich, Portrait.
Andreas Hofer. Geb. 22. November 1767; gest. 20. Februar 1810.

ANDREAS HOFERS ABSCHIEDSBRIEF GERICHTET AN SEINEN FREUND PÜHLER.

Liebster Herr Bruder!

Der göttliche Willen ist es gewesen, daß ich hab müssen hier in Mantua mein Zeitliches mit dem Ewigen verwechseln. Aber Gott sei Dank für seine göttliche Gnade. Mir kommt vor, wie wenn ich zu was anderem hinausgeführt würde. Gott wird mir auch die Gnade verleihen bis zum letzten Augenblick; damit ich hinkommen kann, wo sich meine Seele mit allen Auserwählten ewig erfreuen wird und wo ich für alle bei Gott bitten werde, besonders für die ich am meisten zu bitten schuldig bin, auch für Sie und Ihre liebe Frau. Alle guten Freunde sollen für mich beten und mir aus den heißen Flammen helfen, wenn ich noch im Fegfeuer büßen muß.

Die Seelengottesdienste soll die Liebste mein zu St. Martin halten lassen. Den Verwandten soll beim Unterwirt Suppe und Fleisch gegeben werden samt einer Halben Wein.
Das Geld, so ich bei mir gehabt, habe ich den Armen ausgeteilt. Die Wirtin soll mit den Leuten abrechnen so redlich als sie kann, damit ich nichts zu büßen habe.
Lebet alle wohl, bis wir im Himmel zusammenkommen und dorten Gott loben ohne Ende.
Alle Passeirer und Bekannten wollen mir im Gebet eingedenk sein und die Wirtin soll nicht gar zu viel Kummer haben; ich werde für sie alle bei Gott bitten.
Adie du schnöde Welt, so leicht kommt mir das Sterben vor, daß mir nicht einmal die Augen naß werden.
Geschrieben um 5 Uhr in der Früh; um 9 Uhr reise ich mit Hilf aller Heiligen zu Gott.
Mantua, den 20. Februar 1810.
Dein im Leben geliebter Andre Hofer vom Sand in Passeier.
Im Namen des Herrn will ich die Reise unternehmen.

Andreas Hofer. Geb. 22. November 1767; gest. 20. Februar 1810.

Andreas Hofer wurde am 22. November 1767 zu St. Leonhard im tirolischen Tal Passeyr als Sohn des Sandwirtes Hofer geboren. Seine Erziehung unterschied sich durch nichts von der in jenem Tal üblichen, die weniger auf Ansammlung von Kenntnissen, als auf Gottesfurcht und Frömmigkeit gerichtet war. Herangewachsen, suchte er sich durch den Handel mit Pferden und Wein fortzuhelfen. Nach seiner Verheiratung mit einer Bauerntochter übernahm er die väterliche Wirtschaft, hatte aber bei dem Bestreben, die große auf ihr lastende Schuldenmenge zu tilgen, wenig Glück.

An den Kämpfen der Tiroler gegen Napoleons Heere beteiligte sich Hofer anfangs als einfacher Schütze, brachte es indessen wegen seiner Beliebtheit bei den Seinen bald bis zum Hauptmann. Als nach Abschluss des Friedens von Pressburg im Jahre 1805 Tirol an Bayern fiel und der Erzherzog Johann das Land verlassen mußte, gab ihm Hofer mit mehreren andern Tirolern das Geleit bis Brunecken, bei dieser Gelegenheit demonstrativ auf die unerschütterliche Anhänglichkeit der Tiroler an das Haus Habsburg hinweisend. Im Sommer 1808 wurde er vom Erzherzog nach Wien berufen, um gemeinsam mit einigen andern Landsleuten einen von Hormayr ausgearbeiteten Plan zur Befreiung Tirols zu beraten. Durch dieses Vertrauen der höchsten Persönlichkeiten in Wien stieg das Ansehen Hofers in der Heimat beträchtlich. Er war schon bei Beginn des Aufstandes im Frühjahr 1809 das Haupt der Passeyrer, an die er in jenen Tagen seinen ersten Aufruf richtete: »Morgen am 9. April wird für Gott, Kaiser und Vaterland ausgezogen und jedermann ermahnt, brav dreizuschlagen«. Schon am 11. April erzielte Hofers Schar auf dem Sterzinger Moos einen glänzenden Sieg über die Bayern, welche die Waffen strecken mussten. Hofers Name wurde seitdem in allen Tälern Tirols mit Ehren genannt. An der ersten Erstürmung Innsbrucks durch die Tiroler am 12. April nahm Hofer nicht teil, da er mit seinen Leuten nach dem Süden gezogen war, um die Franzosen von weiterem Eindringen abzuhalten.

Inzwischen aber wandte sich das Kriegsglück zu ungunsten der Österreicher. Das österreichische Korps unter dem Marquis von Chasteler wurde am 12. Mai von den Bayern bei Wörgl geschlagen und am 19. konnte Wrede seinen Einzug in Innsbruck halten. Die Besitzergreifung der Landeshauptstadt beendigte jedoch keineswegs, wie man erwartet hatte, den Feldzug. Vielmehr erliess Hofer an demselben Tag einen offenen Brief, in dem er das ganze tiroler Volk zu den Waffen rief, »weil die Truppen retirierten«. Am 25. Mai eröffnete er den Angriff auf die Bayern in Innsbruck unter dem General Deroy. Der erste Sturm wurde abgeschlagen, als aber die Tiroler durch die Oberinntaler Verstärkung erhalten hatten, gelang es ihnen, am 29. Mai die Bayern in einem furchtbaren Kampf, der sich namentlich um den Berg Isel entspann, zum Abzug zu nötigen.

Hofer, von dessen persönlichem Anteil an dem Kampfe wir nichts sicheres wissen, zog am 30. Mai in die Landeshauptstadt ein und organisierte die weiteren Verteidigungsmaßregeln mit solchem Geschick, daß das Land zwei Monate lang von feindlichen Einfällen verschont blieb. Er galt dem Volke als der Befreier Tirols, machte aber keine Ansprüche auf die innere Ordnung der Verhältnisse, sondern überließ die Leitung der Geschäfte dem Intendanten Hormayr, um in sein Heimatdorf zurückzukehren.

Als nach der Schlacht von Wagram der Waffenstillstand von Znaim geschlossen und nach den Abmachungen Tirol schutzlos der Rache Napoleons ausgeliefert wurde, unternahm es Hofer aufs neue, den Widerstand gegen den Marschall Lefevre und die verhaßten Bayern im ganzen Lande zu entfachen, wobei er von dem Kapuziner Haspinger und von Speckbacher tatkräftig unterstützt wurde. Das Volk folgte ihrer Aufforderung, strömte in Massen nach Innsbruck und umzingelte Lefevre so von allen Seiten, daß Hofer am 13. August den allgemeinen Angriff auf die Stadt befehlen konnte, der namentlich infolge der Kühnheit Haspingers mit dem Sieg der Tiroler und den Abzug des Marschalls endete. Hofer übernahm nun in Innsbruck als »Oberkommandant von Tirol« die Verwaltung des Landes. Er bezog die Hofburg, änderte aber nichts in seiner Kleidung und Lebenshaltung. Seine Verordnungen bezogen sich in erster Linie auf die Erhaltung der Religion und Moral und auf die Sicherung der Ordnung im befreiten Lande. Unterdessen kam es am 14. Oktober 1809 zum Abschluss des Wiener Friedenstraktates, in welchem der Kaiser Franz entgegen seiner Zusage, dass er nie in eine Abtretung Tirols willigen würde, auf Tirol verzichtete, das wiederum Bayern zugesprochen wurde. Ein Brief des Erzherzogs Johann bestätigte das Geschehene und warnte vor jedem weiteren nutzlosen Widerstand.

Hofer zeigte sich zum Nachgeben bereit, wurde aber durch Haspinger zur Wiederaufnahme des Kampfes veranlasst. Nachdem jedoch am 1. November die Reihen seiner Leute beim Berge Isel so geschwächt waren, daß jeder weitere Versuch zur Gegenwehr töricht erscheinen musste, unterzeichnete er nach Zusicherung der Verzeihung durch den General Baraguay-d’Hilliers eine Unterwerfungserklärung. Trotzdem ließ er sich, durch falsche Gerüchte über den Wiederausbruch des Krieges mit Frankreich getäuscht, zu einem neuen Aufruf an das Volk verleiten. Diesmal aber stand ihm das Glück nicht mehr zur Seite. Es gelang den Franzosen und Bayern, den Aufstand zu unterdrücken. Die übrigen Anführer flohen außer Landes, Hofer aber, der den Kopf verloren hatte, verbarg sich in einer Alphütte am Eingang ins Farteis. Hier wurde er, da auf seinen Kopf der Preis von 1500 fl. gesetzt war, von einem gewissen Joseph Raffl verraten, durch Soldaten eines italienischen Freikorps aufgegriffen und nach St. Martin, von da nach Bozen und schließlich nach Mantua gebracht, wo er auf Befehl Napoleons ohne richterlichen Spruch am 20. Februar 1810 erschossen wurde.

Das Urteil über die Bedeutung Hofers lautet sehr verschieden. Während die einen ihn zu einem »scharfblickenden, löwenmutigen Helden« heraufschrauben, haben ihn andre als einen »bigotten Querkopf« hingestellt und ihn als »Mann mit der Flasche und dem Rosenkranz geschildert. Keines von beiden entspricht den Tatsachen. Vielmehr war Hofer, wie Beigel ausführt, »nicht unbegabt, aber ohne hervorragende Fähigkeiten, unklar in seinen Ansichten, leicht vertrauend und leicht argwöhnisch, nicht ohne persönlichen Mut, jedoch nicht von hervorstechender Kühnheit, kein Heuchler und Komödiant, ein treuer ergebener Diener des habsburgischen Kaiserhauses, vor allem aber dem Klerus seiner Heimat schwärmerisch zugetan.« Sein Einfluß auf seine Landsleute beruhte nicht auf ungewöhnlichen Eigenschaften, sondern auf dem Umstande, »daß er ein Mann aus dem Volk war, der an Kenntnissen und Fähigkeiten seine Untergebenen kaum überragte, ihre Tracht trug, ihre Sprache redete, ihre ganze Denkweise teilte«.

Andreas Hofer, Widerstandskämpfer, Tiroler Aufstandsbewegung, Volkstrachten,
Andreas Hofer. Illustration von Woodville, R. Caton.

Seine Gestalt wird uns als untersetzt geschildert; er hatte eine breite Brust und volle rote Wangen, sein schönster Schmuck war sein schwarzer, bis auf die Brust herab reichender Bart, der zu seiner Führerrolle vortrefflich paßte und ihm sehr wohl stand. Wir besitzen eine ziemliche Anzahl von Porträts Hofers, doch ist die Frage der Authentizität der verschiedenen Hofer-Porträts noch immer offen. Auch das hier reproduzierte Porträt, das seit dem Jahre 1827 im »Ferdinandeum« zu Innsbruck aufbewahrt wird, kann nicht den Anspruch erheben, mit Sicherheit als Originalporträt zu gelten.

Quelle: Allgemeines historisches Portraitwerk. Das Zeitalter der französischen Revolution (1760-1810). München 1896. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormlas Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann undDr. H. A. Lier.

Illustration, Delphin, Putte

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