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Die schwarze Messe. Kult der Satanskirche.

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Illustration zu Ulenspiegel und Lamm Goedzak von Félicien Rops. Symbolismus, Pariser Fin-de-Siecle. 1915

Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts von Iwan Bloch als Eugen Dühren.

7. Die schwarze Messe.

Satanskirche

Den Gipfel erreicht die religiöse Sexualmystik in dem Kult der sogenannten Satanskirche. „Satan“ wird hier zu einer „Personifikation des physischen Begattungs-Mysteriums“ als Protest gegen die ausschliessliche Herrschaft der „metaphysischen Vergottungs-Mystik.“ 1) Die Geschichte dieser merkwürdigen Sekte, die sogar in dem kürzlich dahingeschiedenen Félicien Rops (1833-1898) einen ihre entsetzlichen Phantasiegebilde bildnerisch festhaltenden Künstler besessen hat, ist von G. Legué 2) und vor allem von Stanisław Przybyszewski 3) geschrieben worden. Der Sabbath ist zweifellos das größte kulturhistorische Rätsel, das die Weltgeschichte kennt. (Stanislaw Przybyszewski, in Die Synagoge des Satan).

1) G. Herman „Genesis.“ Das Gesetz der Zeugung. Bd. III. Leipzig 1899. S. 84 ff.
2) G. Legué „Medecins et empoisonneurs au XVIle siècle“ Paris 1896. S. 139—168.
3) Stanisław Przybyszewski „Die Entstehung’ und der Kult der Satanskirche“ in „Die Kritik“ 1879 No. 134, 135, 148, 149, 150.

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Satan – Satyr, Satan-Pan und Satan-Phallus war der antike „Gott der Instinkte und der fleischlichen Lust, im selben Masse verehrt von dem Höchsten im Geiste wie vom Niedrigsten, er war der unerschöpfliche Quell der Lebensfreude, der Begeisterung und des Rausches.

Er hat der Frau die Verführungskünste gelehrt, die Menschen in doppelt geschlechtlichen Trieben ihre Lust befriedigen lassen, in Farben hat er geschwelgt, die Flöte erfunden und die Muskeln in rhythmische Bewegung gesetzt, bis die heilige Mania die Herzen umfing und der heilige Phallus mit seinem Überfluss den fruchtbaren Schoss besamte.“ Das war die Zeit der naturfrohen Mutterschafts-Mysterien.

Das jüdisch-griechische Christentum

Dann kam das jüdisch-griechische Christentum und predigte die übernatürliche, asketische Vaterschafts-Mystik. Die Kirche riss den Menschen gewaltsam von der Natur los „Sie zerstört die unbewusste Zuchtwahl der Natur, die sich nach aussen in Schönheit, Kraft und Herrlichkeit äussert, sie beschützt all’ das, was die Natur ausstossen will, den Schmutz, die Hässlichkeit, die Krankheit, den Krüppel und den Kastrierten“.

Aber die Natur lässt sich nicht austreiben. Und so musste auch die Kirche nachgeben und schliesslich den heidnischen Kultus mit dem ihrigen verquicken.

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Illustration zu Ulenspiegel und Lamm Goedzak von Félicien Rops. Symbolismus, Pariser Fin-de-Siecle. 1915

Die Bacchanalien

„Die Bacchanalien bei den Festen der Ceres Libera wurden bei den Prozessionen an den Mariafestea mit grösserer Ausgelassenheit gefeiert als je zuvor, und bis in das 13. Jahrhundert feierte das Volk zusammen mit dem Priester laszive und orgiastische Feste, das Fest des Esels, das Fest der Idioten (fatuorum) — Reste des Phalluskultus verkrochen sich in die Kirche, die Säulen-Kapitäle strotzten von ohszönen Figuren, und ein beliebter Vorwurf für die Reliefs an den Kirchen war Noah, wie er den Beischlaf mit seinen Töchtern ausübt.“

Der eigentliche Kult der Satanskirche wurde aber vom Manichäismus im südlichen Frankreich geschaffen. „Von hier aus beginnt Satan den ungeheuren Triumphzug über ganz Europa.“ Die Geheimbünde der „Vollendeten“, der „Perfekti“ bilden sich überall, ausschliesslich der obszönsten Geschlechtslust frönend, mit einem glühenden Hass gegen die christliche Lehre.

„Sie beschimpften und töteten die Priester, wo sie sie nur auffangen konnten, benutzten die heiligen Geräte zu obszönsten Zwecken, und ein grosser Teil ihres Ritus ist nur die Parodie des katholischen Kultus. In ihren Zusammenkünften, ihren parodistischen Messen ist bereits der satanistische Sabbat völlig, sogar in Einzelheiten vorgeformt. Jeder Novize musste bei der Aufnahme allen katholischen Glauben abschwören, das Kreuz bespeien,der Taufe und der Ölung entsagen“.

Trotz der Verfolgungen der Kirche erhielt sich die Sekte und ihr Wahlspruch: „Nemo potest peccare ab umbilico et inferius“ fand besonders unter „unbefriedigten“ Priestern Anhänger. Die Sünde durch die Sünde töten! Das war ihr grosses Prinzip der geschlechtlichen Orgien. Der Priester heiligt alle Weiber, die mit ihm sündigen.

Quelle:

  • Iwan Bloch als Eugen Dühren. Der Marquis de Sade und seine Zeit. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der Psychopathia sexualis. 1. Aufl. Barsdorf, Berlin 1900; Max von Harrwitz, Berlin 1904. Aufl. Barsdorf, Berlin 1900; Max von Harrwitz, Berlin 1904; 5. Aufl. Barsdorf, Berlin 1915; in Reihe: Studien zur Geschichte des menschlichen Geschlechtslebens, Bd. 1. Inges. 7 Aufl. zu Lebzeiten. Royal College of Physicians of Edinburgh.
  • Ulenspiegel und Lamm Goedzak; die fabelhafte Geschichte ihrer heldenmütigen, lustigen und rühmlichen Abenteuer in Flandern und andern Orts. Mit Bildern von Félicien Rops von Charles de Coster (1827-1879); Übers. Walter van der Bleek, Curt Heinrich Bruno Leo. Berlin W. Borngräber, 1915.
Illustration, Ornament
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