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1785, 18. Jh, 1809, 1859, 19. Jh, Deutschland, Empire, Klassizismus, Kostüm Epoche, Romantik

Bettina von Arnim. Deutsche Schriftstellerin der Romantik.

Bettina von Arnim, Romantik, Kupferstich
Bettina von Arnim 1809. Kupferstich von Ludwig Emil Grimm.

Bettina von Arnim war Schriftstellerin, Verlegerin, Komponistin, Sängerin, bildende Künstlerin, Illustratorin, Förderin junger Talente und soziale Aktivistin. Sie war der Archetyp des Zeitgeistes der Romantik und der Dreh- und Angelpunkt vieler kreativer Beziehungen kanonischer Künstlerfiguren.

Sie zählte Goethe, Beethoven und Hermann von Pückler-Muskau zu ihren engsten Freunden wobei sie versuchte, die künstlerische Übereinstimmung unter ihnen zu fördern. Viele führende Komponisten der Zeit, darunter Robert Schumann, Franz Liszt, Johanna Kinkel und Johannes Brahms, bewunderten ihren Geist und ihre Talente.

Als Komponistin war von Arnims Stil unkonventionell. Sie formte und verschmolz beliebte Volksmelodien und historische Themen mit innovativen Harmonien, Phrasenlängen und Improvisationen, die zum Synonym für die Musik der Epoche wurden.

Sie war eng mit den deutschen Schriftstellern Clemens Brentano und Achim von Arnim verwandt: der erste war ihr Bruder, der zweite ihr Ehemann. Ihre Tochter Gisela von Arnim wurde ebenfalls eine bedeutende Schriftstellerin. Ihre Neffen, über ihren Bruder Christian, waren Franz und Lujo Brentano.

Bettina von Arnim, Romantik, Deutschland, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Romancier
Bettina von Arnim 1785-1859.

Anna Elisabeth von Arnim Bettina.
Geb. 4. April 1785; gest. 20. Januar 1859.

Bettina von Arnim.

Anna Elisabeth von Arnim, geborene Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, erblickte am 4. April 1785 zu Frankfurt a. M. das Licht der Welt. Ihr Vater war der Geheimrat und kurtrierischer Resident in Frankfurt/Main des Kurrheinischen Kreises Peter Anton Brentano (1735–97), ihre Mutter, dessen zweite Frau, Maximiliane Euphrosyne, geborene La Roche (1756–1793), Freundin von Johann Wolfgang von Goethe. Nach dem frühen Tode ihrer Mutter im Jahre 1794 wurde sie in das Ursulinerinnen Kloster Fritzlar in Kurhessen gebracht, wo sie die Abneigung gegen den Katholizismus in sich aufnahm, dem sie gleichwohl bis zu ihrem Ende äußerlich angehörte.

Im übrigen diente der Aufenthalt im Kloster, dessen schöne Umgebung Bettina entzückte, nur dazu, ihre Phantasie zu beflügeln sie trieb eifrig Musik, versuchte sich in der bildenden Kunst und pflegte die früh in ihr erwachte Neigung zur Poesie mit wachsender Begeisterung. In den Jahren 1801 bis 1807 lebte sie abwechselnd bei ihrer Großmutter Sophie von La Roche zu Offenbach, im Cronstettschen Stift zu Frankfurt a. M. im Umgange mit ihrer Freundin Caroline von Günderode und bei Savigny, dessen Gattin Kunigunde ihre Schwester war, zu Marburg, Landshut und Berlin.

Dieses bewegte Dasein trug ihr die Bekanntschaft mit einer Menge hervorragender Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts ein und führte ihrem Geist die mannigfaltigsten Anregungen zu, die durch fortgesetzten Unterricht bei Privatlehrern noch vertieft wurden. Durch ihren Bruder Clemens Brentano (1778–1842) lernte sie Achim von Arnim (1815–83) kennen und zwar zu jener Zeit, wo die beiden Freunde mit der Sammlung von Volksliedern für „des Knaben Wunderhorn“ beschäftigt waren. In den Jahren 1806 bis 1808 half von Arnim beim Sammeln der Volkslieder, aus denen »Des Knaben Wunderhorn« entstand, das Gemeinschaftswerk ihres Bruders und ihres späteren Mannes Achim von Arnim. Einige der Lieder wurden später von einer Reihe von Komponisten vertont, unter anderem von Gustav Mahler. Die Sammlung wurde zu einem Prüfstein für den musikalischen und poetischen Stil der Romantik. Von 1808 bis 1809 studierte sie Gesang, Komposition und Klavier in München bei Peter von Winter und Sebastian Bopp. Ihr erstes Lied veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Beans Beor, das sie auch später gelegentlich verwendete. Bettina sang kurzzeitig an der Berliner Singakademie und komponierte Vertonungen hellenistischer Gedichte von Amalie von Helvig.

Fürst, Pückler-Muskau, Porträt
Fürst von Pückler-Muskau (1785-1851). Stahlstich von Jules Ferdinand Jacquemart

Arnim sang ihr seinen „Wintergarten“ und die Brüder Grimm widmeten ihr noch in späteren Jahren die Sammlung ihrer »Kinder- und Hausmärchen«. Während ihres Aufenthaltes zu Frankfurt M. besuchte sie Goethes Mutter häufig. Frau Rat erzählte ihr soviel von der Jugendgeschichte ihres großen Sohnes, daß sie diesem bei der Abfassung von »Dichtung und Wahrheit« mit ihren Erinnerungen zu Hilfe kommen konnte. Im April 1807 lernte sie dann Goethe persönlich in Weimar kennen. Goethe fand Gefallen an dem Umgang mit ihr und trat mit ihr bis zu dem Jahre 1811 in Briefwechsel, den sie nach seinem Tode für ihr Buch »Briefwechsel mit einem Kinde« verwertete. Erst als Bettina im April 1811 die Gattin Arnims wurde, löste sich ihr Verhältnis zu Goethe. Sie zog mit Arnim nach Berlin und auf seine Besitzung Wiependorf bei Dahme in der Mark, wo sie ein wahrhaft idyllisches Familienleben führten. Ihre Ehe war mit zahlreichen Kindern gesegnet, hinderte sie aber nicht in ihren Neigungen zur Kunst und Poesie. Obwohl die häuslichen Pflichten, die mit ihrer Heirat mit von Arnim 1811 verbunden waren, ihre Produktivität verringerten, wurden mehrere Kunstlieder aus dieser Zeit wiedergefunden und in Werke und Briefe veröffentlicht. Von Arnim war die erste Komponistin, die das Werk des Dichters Hölderlin vertonte.

Nach dem Tode Arnims am 21. Januar 1831 siedelte Bettina mit ihren Kindern nach Berlin über. Sie fing nun an, selbständig als Schriftstellerin aufzutreten, und wußte ihr Haus zum Mittelpunkt aller geistig hervorragenden Frauen und Männer Berlins zu machen, die unter Friedrich Wilhelm IV. einen freieren Zug in der Politik und Kunst zur Geltung zu bringen hofften. Zu ihren nächsten Freunden und Anhängern gehörten die Brüder Grimm, Rahel Varnhagen, Schleiermacher, Wilhelm von Humboldt, Schinkel, Tieck, Ranke, Varnhagen und Ritter, die alle von ihrem frischen und eigenartigen Geiste mächtig angezogen wurden. Bei alledem vergaß sie nie die Fürsorge für ihr Familie und Kinder, denen sie eine liebevolle Mutter und vorzügliche Helferin war. Sie starb zu Berlin am 20. Januar 1859.

Bettinas schriftstellerischer Ruhm beruht zumeist auf ihrem im Jahre 1835 erschienenen Roman: »Briefwechsel mit einem Kinde«. Er hat sehr verschiedene Beurteilung gefunden, aber auch diejenigen, die wie Goedeke sich daran stossen, daß sich Bettina darin selbst als Liebhaberin und Geliebte schildert, müssen seinen hohen poetischen Wert anerkennen. „Sieht man davon ab“, sagt August Sauer, „daß eine etwas getrübte Quelle für Goethes Leben hier fließe, und betrachtet man das Ganze als ein Gedicht oder eine Reihe von Gedichten, dann kann man nicht umhin, es als ein wohlgerundetes Ganzes zu bewundern, in welchem alles, wie künstlerisch motiviert, ebenso künstlerisch aufgelöst wird, und über dem der Geist der Poesie rein und unverfälscht schwebt“. Der zweite Roman Bettinas: »Die Günderode« schildert ihr Zusammenleben mit der unglücklichen Dichterin und zwar wie bei ihrem ersten Werk in der Form eines Briefwechsels. Einen solchen enthält auch ihr Buch: »Ilius Pamphilius und die Ambrosia«. Bettina teilt in ihm ihre Korrespondenz mit dem jungen Philipp Nathusius (1815-1872) mit, der damals den Übergang von der Romantik zur evangelischen Orthodoxie vollzog.

Sie war eine Muse für die Progressiven Preußens, verbunden mit der sozialistischen Bewegung und eine Fürsprecherin der unterdrückten jüdischen Gemeinde. Mit der Schrift; »Dies Buch gehört dem König« betrat Bettina das Gebiet der Politik. Sie rät darin dem König Friedrich Wilhelm IV., den Geist der Demokratie in sich aufzunehmen, legt ihre Gedanken über Staat und Kirche dar und behandelt die soziale Frage mit großem Freimut, entging aber aufgrund ihrer Freundschaft mit dem König von Preußen einer Züchtigung. Die Fortsetzung des Königsbuchs bilden die »Gespräche mit den Dämonen«. Sie sind unter anderm schon dadurch wertvoll, daß Bettina in ihnen offen für die Emanzipation der unterdrückten jüdischen Gemeinde eintritt.

Nach dem Tod ihres Mannes 1831 setzte Bettina ihr Engagement für die kreative Gemeinschaft fort. Sie veröffentlichte eine Sammlung von sieben Liedern zur öffentlichen Unterstützung des preußischen Musikdirektors Gaspare Spontini, der damals unter Zwang stand.

Gräber Achim und Bettina von Arnim. Friedhof, Wiepersdorf (Kreis Jüterbog). Bildarchiv Foto Marburg.

Durch alles, was Bettina geschrieben und getan hat, geht ein entschieden großartiger Zug. Ihr Temperament ließ sie in den meisten Fällen den richtigen Weg finden und riß alle, die ihr näher standen, oft mit elementarer Gewalt fort. Diese ihre Eigenart hat niemand besser erkannt, als ihr Bruder Clemens. In einem Brief an Görres vom Jahre 1814 nennt er sie „das großartigste, reich begabte, einfachste, krauseste Geschöpf“, das in stetem „Reden, Singen, Urteilen, Scherzen, Fühlen, Helfen, Bilden, Zeichnen, Modellieren“ alles in Beschlag nehme, um das „Gemeine als Modell zum Höheren in irgend einen Akt zu stellen und das Ungemeine sich gesellig bequem zu setzen“.

Radierung von Ludwig Emil Grimm um 1809.

Quelle:

  • Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Befreiungskriege (1810-1845). Nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seudlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1897. Verlagsanstalt Friedrich Bruckmann A.-G.
  • Fürst von Pückler-Muskau. Stahlstich von Jules Ferdinand Jacquemart Neues elegantestes Conversations-Lexicon Dr. Oscar Ludwig Bernhard Wolff Dritter Band Leipzig 1834. Verlag von Christian Ernst Kollmann Kunstverlag W. Creuzbauer

(de) Gräber Achim (gest. 1831) und Bettina von Arnim (gest. 1859) – Bildarchiv Foto Marburg – In Copyright.

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