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Antike, Griechenland, Kostüm Epoche, Kulturgeschichte

Griechenland. Hauptraum eines vornehmen athenischen Hauses, Peristyl.

Peristyl, Griechenland, Architektur, Haus, Antike, thyroreum, Prostas, thalamus, antithalamus, Gynaikonitis
Griechenland. Das Peristyl. Hauptraum eines vornehmen athenischen Hauses.

Die Hellenistische Architektur eines vornehmen Hauses der Antike. Säulenhalle des Peristyl im 5. Jh.

Von dem griechischen Privathaus im heroischen Zeitalter haben sich nur sehr unvollkommene und in den Einzelheiten schwer zu deutende Beschreibungen in den homerischen Gesängen erhalten. Auch die Ausgrabungen Schliemanns in Mykenae, Tiryns, Troja und anderen Städten haben nur sehr spärliche Reste zu Tage gefördert.

Aus späterer Zeit sind uns ebenfalls nur geringe Überreste von Wohnhäusern erhalten. Wir sind zur Rekonstruktion altgriechischer Privathäuser auf die Entdeckungen in den verschütteten Vesuvstädten angewiesen, von denen sich allerdings voraussetzen lässt, dass sich im Häuserbau in ihnen griechische Traditionen erhalten haben. An diese Gebäude und die spärlichen Mitteilungen des Vitruv hat sich auch der Architekt gehalten, dem wir unsere Restauration verdanken. Ihm schwebte dabei eine athenische Wohnung aus der Zeit nach den Perserkriegen, also etwa aus der Mitte des fünften Jahrhunderts, vor, als der Luxus des Orients sich unter den athenischen Bürgern zu verbreiten begann.

In der Schilderung, welche Vitruv von dem griechischen Haus entwirft, heisst es: „Die Griechen bauen anders als wir; denn sie haben kein Vestibül. Aus der ersten Tür tritt man in einen nicht sehr breiten Durchgang, an dessen einer Seite sich Ställe befinden, während an der anderen Seite der Pförtner wohnt. Am Ende dieses Durchgangs, den man thyrorion oder auch thyroreum nennt, befindet sich eine zweite Tür, durch welche man in das von drei Säulengängen umgegebene Peristyl (griech. περίστυλον peristylon) gelangt.

An der Südseite befinden sich zwei weit von einander entfernte Wandpfeiler, welche einen Querbalken tragen. Sie bilden den Zugang zu einem Raum, der zwei Drittel des Abstandes der Wandpfeiler zur Tiefe hat. Dieser Ort wird Prostas (griechisch προστάς prostas „Vorzimmer“) genannt. Weiter nach innen befinden sich grosse Räume, in welchen die Hausfrauen mit ihren Mägden spinnen.

Rechts und links von der Prostas sind Schlafgemächer eingerichtet, von denen das eine thalamus, das andere antithalamus heisst. Rings um den Hof unter den Säulengängen befinden sich Räume für den häuslichen Verkehr, Speisezimmer, Schlafzimmer und kleine Zellen für die Dienerschaft. Dieser Teil des Hauses heisst Gynaikonitis.

Von der Gynaikonitis (altgriechisch γυναικωνῖτις, auch Gynaikeion) waren die Wohn-, Empfangs- und Arbeitsräume für die Männer wohl getrennt. Nach der Meinung des Archäologen Becker, der sich dabei auf die Einrichtung der pompejanischen Wohnhäuser stützt, lagen die Räume der Männer vor den Frauengemächern.

Wir lassen jetzt die Beschreibung des restauierten Grundrisses folgen.

Grundriss, Griechenland, Haus, Antike, Palast
Peristyl. Grundriss eines griechischen Hauses (Palast) der Antike.

a. Offenes Tor als Haupteingang dienend.
A. Vestibül.
B B B B B B. Läden und Werkstätten, die vermietet wurden, weil das Familienleben der Griechen sich in das Innere des Hauses zurückzog.
C C C C. Innere zur Lüftung und Ventilation dienende Höfe. .
c c c. – Abtritte.
d. – Ein zu den Abtritten führender Raum mit Brunnen.
D. – Säulenhalle, welche den inneren Hof E umgiebt.
E. – Der innere, oben offene Hof, dessen Ansicht, vom Zugangsvestibül aufgenommen, unsere Tafel wiedergiebt.
e. – Treppe für den Hausherrn und die Hausfrau. Sie führt nach dem oberen Stockwerk, in welchem sich ihre Schlafzimmer befinden. Die beiden anstossenden Flügel enthalten die Wohnräume für die Sklaven. Der Grundriss dieses Stockwerkes hat eine U-Form.
F. – Raum für das Familienarchiv, die Bibliothek, die Kostbarkeiten und die Schutzgötter, dem sacrarium oder lararium der Römer entsprechend.
G. – Badesaal und Fischteich.
I. – Ruhezimmer zum Gebrauch während des Tages.
J. – Vorzimmer, welches zum Empfang der Gäste diente. Nach griechischer Sitte wurden hier dem Fremdlinge die Füsse gewaschen, bevor er in den Speisesaal E eintrat. An diesen schliesst sich noch ein zweiter Saal L, der ebenfalls zum Abhalten von Festen und Gastmählern diente. Man sieht ihn im Hintergrunde unserer perspektivischen Darstellung, ebenso wie die Räume I und J rechts und links.
K. – Raum für den Pförtner. Er diente zugleich als Durchgang für die Sklaven, die sich durch den offenen Hof c und den Gang b nach der Küche und den verschiedenen Wirtschaftsräumen begaben.
M. N. – Arbeitsräume für die Frauen.
e‘. -Treppe für die weiblichen Sklaven, nach dem oberen Stockwerk hinaufführend.
f. – Lagerraum.
O. – Verbindungsgang zwischen den beiden für die Frauen und die Sklaven reservierten Wohnräumen, der zugleich als Zugang zum Gemüsegarten P führt.
Q. R. – Küche mit ihren Nebenräumen und Backofen.
e“. – Treppe zum Hinaufsteigen nach der Sklavenwohnnng.
e“‚. – Kleine Treppe, die zum Vorratsboden führt.
S. – Speisezimmer der Sklaven.
T. – Brunnen oder Zisterne.

Die griechischen Häuser wurden anfangs direkt auf dem Felsboden erbaut, ohne Regelmässigkeit und ohne eine gerade Linie einzuhalten. Erst später traten an die Stelle der gewundenen, engen und bergigen Strassen, wie man sie noch heute in Italien sieht, breitere und geradlinige. Man sagt, dass Hippodamos, Sohn des Euryphon, ein Architekt aus Milet, diese Verbesserung herbeiführte. Im Zeitalter des Peisistratos († 528/527 v. Chr.) befolgte man noch das alte System, welches in Kriegsfällen Vorteile für die Verteidigung bot und einen wirksamen Schutz gegen die Sonnenstrahlen gewährte. Erst nach der Zeit des Peisistratos erlaubten öffentlicher Wohlstand und Friede das Streben nach Regelmässigkeit und Bequemlichkeit.

Das Speisezimmer ist in Gestalt des Tricliniums arrangiert, d. h. drei Ruhebänke sind so aufgestellt, dass sie drei Seiten eines Vierecks bilden, in dessen Mitte der Tisch (mensa) steht. Gewöhnlich war ein Triclinium zur Aufnahme von neun Personen, drei auf jedem Ruhebett oder Speisesofa (Klinen), bestimmt.

Die Zahl der Gäste sollte nicht geringer sein als die der Grazien und nicht grösser als die der Musen. Die Gewohnheit, bei Tisch zu liegen, kam schon im siebenten Jahrhundert aus Asien nach Griechenland. Die Ehrenplätze befanden sich auf dem Speisesofa in der Mitte; dann kamen die Plätze auf dem Speisesofa zur Linken. Der Hausherr sass auf dem Speisesofa zur Rechten.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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Schlagworte: Architektur, Auguste Racinet
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