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Modefiguren Frankreich. Die Mode der Dandys 1801-1805.

FRANKREICH. TRACHTEN DER MODEHERREN, 1801, 1805.

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Mode im Übergang vom Directoire zum Empire 1801 bis 1805..

KLEIDUNG JE NACH DEM BERUF.

Die Mode der Dandys von 1801 bis 1805.

Der Morgenverkehr; die Tür eines Reichen (Debucourt, Monat Ventose im Jahre 13, 1805.

Der Kupferstecher Debucourt hat auf unserer Tafel, einem jener kolorierten Stich, mit denen die Bourgeoisie ihre Speisezimmer zu schmücken pflegte, eine Reihe Klienten und Bittsteller gezeichnet, wie sie die Tür der Reichen zu belagern pflegten, Maler, Musiker, Sprachlehrer, Literaten, Dandys, Gelehrte und verschämte Arme.

Wir befinden uns ungefähr um 10 Uhr Morgens in der Chaussée d’Antin, Paris. Ein junger Mann ist eben im Begriff, die Treppe hinaufzusteigen. Eine Dame in der antikisierenden Modetracht überschreitet, von einem Herrn in elegantem Garrick geleitet, die Schwelle. Hinter ihr im Vordergrund folgt der Poet, schwarz gekleidet, mit einer Dedikationsepistel (Widmungsschreiben) in der Hand, in der Tasche einen Roman von der „belohnten Tugend“ *). Ihm zur Seite brüstet sich der Maler aus der antikisierenden Schule Davids (Klassizismus) mit sorgfältig drapiertem Mantel. Die Dame mit ihren drei Kindern, deren jüngstes von der Amme getragen wird, in gesucht einfacher Tracht hat wohlweislich bei ihrem Bittgang ihren Mann zu Hause gelassen. Zwischen ihr und der Amme erscheint im hohen Dreispitz der Kopf eines jener angeblich Naiven, die ihren Patronen mit geheuchelter Aufrichtigkeit Weihrauch streuen. Dann folgen in einer Reihe ein Musiker im blauen Frack mit goldenen Knöpfen, Kniehosen und Escarpins, ein alter Maler, der auf einen langen Stock gestützt ein Staffeleigemälde unter dem Arm trägt, und ein Architekt mit seinem neuesten Bauplan.

*) Samuel Richardson, Pamela, 1740 (Briefroman). Geschichte der „belohnten Tugend“ und wehrhaften Unschuld als sozialen Aufstieg des Dienstmädchens zur gutbürgerlichen Ehefrau.

Hinter den drei Künstlern schreitet eine Anzahl weniger bestimmter Typen, junge und alte Leute in der Tracht der Übergangszeit, einher.

In der Ecke links haben sich drei Toilettenkünstler, ein Schuhmacher, ein Schneider und ein Händler mit Verschönerungsmitteln zusammengefunden. Der letztere trägt eine gepuderte Perücke, sodann Frack mit rosa Aufschlägen und gestreifte Strümpfe.

Hinter ihnen fährt auf seinem Tilbury *) ein Coiffeur mit verschiedenen Schachteln vorüber. Nach der Aufschrift derselben begibt er sich in das Hôtel der Madame Malvina Fricot.
Die Kutsche des Finanzmannes, um dessen Tür sich all‘ diese Parasiten sammeln, hält im Hintergrunde.

*) Der Tilbury ist eine 1815 in England erfundene leichte Pferdekutsche vom Typ Cabriolet, zweirädrig, offen, mit einem Verdeck (manchmal ohne). Sie trägt den Namen des Kutschenbauers, der sie entwickelt hat.

Die Maueranschläge kundigen öffentliche Versteigerungen, unfehlbare Mittel, Leihhäuser, eine neue Stiefelwichse, Festlichkeiten, Bälle, Konzerte, Feuerwerk u. s. w. an.

Die 15 Modefiguren des oberen Teils der Tafel zeigen, wie sich während des Zeitraums von 1801-1805 aus den Torheiten des männlichen Kostüms der Incroyables von 1797 allmählich die einfachere moderne Tracht entwickelt.

Modefiguren

1801.

  • Nr. 1. – Kostüm eines jungen Mannes.
  • Nr. 2. – Gesellschaftsanzug.
  • Nr. 3. – Morgenkostüm.
  • Nr. 4. – Pariser Kostüm.
  • Nr. 5. – Tracht eines jungen Mannes.

1803.

  • Nr. 6. – Grosse Toilette,
  • Nr. 7. – Überrock à l’ecuyère, Weste von Schwanenpelz.
  • Nr. 9. – Pariser Kostüm.
  • Nr. 15. – Französisches Kostüm, englische Mode (Dandy).

1804.

  • Nr. 8. – Alpaccarock mit Kapuze.
  • Nr. 10. – Frack in Savoyardenbraun, aprikosenfarbene Hose.
  • Nr. 12. – Pariser Kostüm.
  • Nr. 13. – Morgenkostüm eines jungen Mannes.

1805

  • Nr. 11. – Pariser Kostüm.
  • Nr. 14. – Pariser Kostüm.

Die Figuren sind dem Journal des dames et des modes entnommen.

Vgl. E. u. J. de Goncourt, L’art du XVIII. siècle. – Delécluze, Louis David, son école et son temps, 1855. – De Jouy, L’Ermite de la chaussée d’Antin, 1812-1814. – Prud’homme, Miroir de l’ancien et du nouveau Paris, 1807.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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