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1797, 18. Jh, 1840, 1848, 19. Jh, Biedermeier, Empire, Frankreich, Kostüm Epoche, Romantik

Annette von Droste-Hülshoff. Deutsche Schriftstellerin im 19. Jh.

Annette von Droste-Hülshoff, Schriftstellerin, Porträt, Romantik, Biedermeier, Resturation
Annette von Droste-Hülshoff. Photographische Aufnahme nach dem Leben.

Annette Freifrau von Droste-Hülshoff.
Geb. 10. Januar 1797; gest. 24. Mai 1848.

Meine Lieder werden leben,
Wenn ich längst entschwand:
Mancher wird vor ihnen beben,
Der gleich mir empfand.

„Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden (…)“

Annette von Droste-Hülshoff, Schriftstellerin, Porträt, Romantik, Biedermeier, Restauration
Annette Freifrau von Droste-Hülshoff. 1797 – 1848.

Annette von Droste-Hülshoff war eine Schriftstellerin und Komponistin klassischer Musik im 19. Jahrhundert. Literatin der Restaurationsepoche, Biedermeier 1815-1848 sowie Autorin der Novelle Die Judenbuche.

Annette, Freifrau von Droste-Hülshoff wurde am 10. Januar 1797 auf dem Stammschloss ihrer Familie, Hülshoff bei Münster in Westfalen, geboren. Ihre Familie, die Freiherren Droste zu Hülshoff, gehörte zum ältesten römisch-katholischen Adelsgeschlecht Westfalens. Ihr Vater Clemens August von Droste zu Hülshoff (1760-1826) war ein gebildeter Mann, der sich für alte Geschichte und Sprachen, Ornithologie, Botanik, Musik und das Übernatürliche interessierte.

Ihre Mutter Therese Luise (1772-1853) stammte aus einer anderen westfälischen Adelsfamilie, den Freiherren von Haxthausen. Annette war das zweite von vier Kindern: Sie hatte eine ältere Schwester Maria Anna (Spitzname „Jenny“, 1795-1859) und zwei jüngere Brüder, Werner Konstantin (1798-1867) und Ferdinand (1800-1829). Annette wurde einen Monat zu früh geboren und nur durch das Eingreifen einer Krankenschwester gerettet. Sie litt zeitlebens unter gesundheitlichen Problemen, darunter Kopfschmerzen und Augenleiden.

Sie empfing eine ausgezeichnete Erziehung und wurde auch mit Kenntnissen die sonst den Frauen nicht zugestanden wurden, wie Latein und Mathematik, eingehender vertraut gemacht. Ihr früh entwickeltes poetisches Talent wurde durch einen lebhaft hervortretenden Sinn für Musik und musikalische Komposition ergänzt. Droste wurde von Privatlehrern in alten Sprachen, Französisch, Naturgeschichte, Mathematik und Musik (sie erbte von ihrem Vater ein beachtliches musikalisches Talent) unterrichtet. Sie begann schon als Kind zu schreiben; 50 Gedichte, die zwischen 1804 und 1814 entstanden, sind erhalten.

Drostes Großvater mütterlicherseits, Freiherr Werner Adolf von Haxthausen, hatte nach dem Tod von Annettes Großmutter 1772 wieder geheiratet und sich ein neues Schloss, Schloss Bökerhof, im Paderborner Ortsteil Bökendorf gebaut. Hier hatten seine Söhne aus zweiter Ehe, Werner und August, einen intellektuellen Kreis gebildet. Sie standen in Kontakt mit so berühmten Kulturschaffenden wie den Brüdern Grimm, Clemens Brentano, Friedrich Schlegel, Adele und Johanna Schopenhauer.

Droste besuchte häufig Schloss Bökerhof und machte die Bekanntschaft von Wilhelm Grimm. Gemeinsam mit ihrer Schwester steuerte sie Volksmärchen und Volkslieder aus Westfalen zur berühmten Märchensammlung der Grimms bei. Doch weder Grimm noch ihre Onkel förderten ihre literarischen Ambitionen.

Annette Freifrau von Droste-Hülshoff,
Annette Freifrau von Droste-Hülshoff.
„Fesseln will man uns am eigenen Herde,
Unsere Sehnsucht nennt man Wahn und Traum!"

Der einzige Literat, der ihr Talent erkannte, war Anton Matthias Sprickmann (1749-1833), dem sie 1812 erstmals begegnete. Sprickmann war der Gründer des Theaters in Münster und hatte die bedeutenden Dichter des 18. Jahrhunderts Matthias Claudius und Friedrich Gottlieb Klopstock gekannt. Droste vertraute auf Sprickmanns Urteilsvermögen und zeigte ihm viele ihrer frühen Werke, darunter das unvollendete Trauerspiel „Berta oder die Alpen“ (1813). Weitere Beispiele ihrer Juvenilen sind die Erzählung in Versen „Walther“ (1818) und der Roman „Ledwina“ (1819 begonnen, aber nie vollendet)

Als nach dem Tode ihres Vaters die Mutter den Witwensitz Ruschhaus bezog, begab sich Annette zur Wiederherstellung ihrer angegriffenen Gesundheit auf Reisen. Sie besuchte zunächst die rheinischen Städte Koblenz, Bonn und Köln und knüpfte überall wertvolle literarische und persönliche Beziehungen an. Auf das Drängen ihrer Freunde hin entschloss sie sich im Jahre 1837 zur Herausgabe der ersten Sammlung ihrer »Gedichte«. Ihr Erfolg überstieg zwar die Erwartungen der Dichterin, hielt sich aber in mäßigen Grenzen, da die stark eng entwickelte Eigenart der Dichterin einem rascheren und allgemeineren Verständnis wenig entgegenkam.

Erst nach ihrem Tode, als die Gedichte in neuer stark vermehrter Ausgabe vorlagen und auch ihr Lieder-Cyklus »Das geistliche Jahr« er- schienen war, zu dem alsdann noch die von Levin Schücking gesammelten »Letzte Gaben« mit der westfälischen Dorfgeschichte »die Judenbuche« hinzukamen, fand Annettes Schaffen die Beachtung weiterer Kreise, ja, da sie streng katholisch war und das Beharren bei dem Althergebrachten als die Quelle aller Lebensweisheit hinstellte, wurde sie von gewisser Seite sogar als die erste Dichterin Deutschlands hingestellt.

Aber auch diejenigen, die in einer solchen Beurteilung eine Überschätzung erblicken und die Lebensanschauungen der Dichterin nicht teilen, werden nach Kenntnisnahme ihrer Schöpfungen anerkennen müssen, daß wir es in ihnen mit der Arbeit eines nicht gewöhnlichen Geistes zu tun haben, dessen Herbheit, Strenge und Klarheit bei einer Frau doppelt auffallen mußte. Am größten ist die Dichterin als Naturschilderin, aber auch hier namentlich dann, wenn sie es unternimmt, das Dämonische und Unheimliche der Naturerscheinungen darzustellen. Dazu befähigte sie vor allem auch ihr großes Formentalent und die Gabe, für ihre Empfindung stets den treffendsten Ausdruck zu finden.

Seit der Mitte der vierziger Jahre lebte Annette den größten Teil des Jahres über auf der Besitzung ihres Schwagers, des Freiherrn von Lassberg, auf Schloß Meersburg am Bodensee. Hier konnte sie ihrer Neigung, sich von den Menschen abzuschließen, weniger nachgeben, da Lassberg ein offenes Haus hielt und Männer wie Uhland und Justinus Kerner häufig bei sich sah. Die gesunde Luft und die herrliche Lage ihres Wohnsitzes wirkten erfrischend auf die Dichterin ein. Sie dachte schon daran, sich dauernd am Bodensee niederzulassen, als im Winter des Jahres 1847 ihr altes Brustübel ihr Wohlbefinden bedenklich zu stören begann. Auch der kommende Frühling brachte ihr nicht Genesung; sie starb am 24. Mai 1848.

Die Kritikerin Margaret Atkinson schrieb:

In der Geschichte der deutschen Poesie ist sie eine eigenständige und isolierte Figur. Mit den Schriftstellern der Romantik teilt sie das Bewusstsein für die Macht der menschlichen Vorstellungskraft und ein feines Gespür für seine exponierte und prekäre Lage in einer Welt voller Gefahren und Geheimnisse. Aber deren Poesie hat nichts von der Unbestimmtheit der emotionalen Stimmung und der Süße des Klangs, die die ihren charakterisieren. Sie hatte auch nicht die Absicht, dies zu tun. Gleichgültig gegenüber dem zeitgenössischen Geschmack, verfolgte sie ihre eigenen Ideale auf ihre eigene Weise. „Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden,“ schrieb sie einmal, „aber nach hundert Jahren möcht‘ ich gelesen werden.“

Und tatsächlich war sie ihrer Zeit voraus. Ihre scharfe Sinneswahrnehmung und ihre präzise Erfassung von Phänomenen lassen sie als Vorläuferin der neuen realistischen Literatur der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erscheinen. Mit ihrer ungewöhnlichen Verbindung von phantasievollem Sehen und genauer Beobachtung und Darstellung der Wirklichkeit steht sie damit am Übergang zwischen Romantik und Realismus und gehört weder dem einen noch dem anderen gänzlich an.

Photographische Aufnahme nach dem Leben.

Quelle:

  • Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Befreiungskriege (1810-1845). Nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seudlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1897. Verlagsanstalt Friedrich Bruckmann A.-G.
  • Annette von Droste-Hülshoff von Dr. Karl Schulte-Kemminghausen. Regensbergsche Buchhandlung 1925.
  • Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff. Julia Virginia. Berlin: H. Seemann Nachf. 1907.
  • Die Lyrik der Annette von Droste-Hülshoff von Georg Philipp Pfeiffer. Berlin, Drenkel 1914.

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